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Werner Heukelbach wurde am 8. Mai 1898 in Wiedenest im Oberbergischen Kreis geboren. Als 16-Jähriger wurde er Beamter bei der Deutschen Reichsbahn. Und mit 18 Jahren zog er als Soldat in den Krieg. Als er an Herzmuskelschwäche erkrankte, lag er mehrere Monate im Lazarett. In dieser Zeit musste er immer öfter an Gott denken – und doch blieb er stur und ließ Gott nicht an sich heran.

Auf der Suche nach Glück

Zurück aus dem Krieg genoss er alles, was das Großstadtleben zu bieten hatte. Er suchte sein Glück in Kneipen und Tanzlokalen. Halbe Nächte verbrachte er mit Saufen und Skatspielen. Er warf den letzten Rest seines Kinderglaubens über Bord und war regelrecht stolz darauf, ein Gottesleugner zu sein. Doch: Richtig glücklich war er nie. Tief in seinem Inneren wurde er immer unruhiger und unzufriedener. Eines Tages kam der Bahnhofsvorsteher auf Werner Heukelbach zu und fragte ihn aus heiterem Himmel: „Wodurch glauben Sie denn, errettet zu werden?“ Der antwortete: „Dadurch, dass ich die Gebote halte, Gutes tue, nicht sündige und mich bemühe, ein anständiger Kerl zu sein.“ Daraufhin erwiderte sein Chef: „Dann sind Sie verloren. Es kann niemand die Gebote halten.“ Darauf erklärte er Werner Heukelbach, dass sich kein Mensch den Himmel verdienen oder erarbeiten könne. Schließlich entließ er ihn mit den Worten: „Wenn Sie aufrichtig Gott suchen, wird er sich von Ihnen finden lassen.“

Von Gott berührt

Diese Worte ließen ihn nicht mehr los. Ein Kollege an der Fahrkartenausgabe lebte mit Gott; für Werner Heukelbach war es offensichtlich, dass er so ganz anders war als die anderen Beamten. Diesem Kollegen vertraute er sich eines Tages an: „Ich ringe nach Klarheit, ob es einen Gott gibt oder nicht. Ich bin eine suchende Seele, die nach Wahrheit schreit.“ Einige Zeit später lud dieser ihn zu einem christlichen Vortrag ein. Werner Heukelbach war es peinlich, zu einer solchen Veranstaltung zu gehen. Sein Freund sagte daraufhin: „Das ist abends, da ist es schon dunkel. Und wir gehen so spät hin, dass schon alle drin sind. Wir bleiben ganz hinten, damit niemand auf uns aufmerksam wird.“ Gesagt, getan. Dort angekommen, sah er viele Leute mit leuchtenden Augen und er erkannte: Sie hatten genau das, was er suchte.

Am nächsten Abend ging er wieder hin. Nicht einmal der strömende Regen hielt ihn davon ab. Seine Sehnsucht nach Frieden, ja, nach Gott, trieb ihn dazu. Später meinte er: „Meine Verkrampfung Gott gegenüber begann mehr und mehr zu schwinden. Mein verschlossenes Herz begann sich zu öffnen.“ Kurze Zeit darauf nahm ihn seine Schwester zu einer anderen Vortragsreihe mit. Seine Sehnsucht war mittlerweile so stark geworden, dass ihm klar wurde, dass er eine Entscheidung für Gott treffen muss. An diesem Abend ging er anders nach Hause, als er gekommen war. Er hatte ein Leben mit Jesus Christus begonnen und nun endlich Frieden mit Gott geschlossen. Da war er 30 Jahre alt.

Für Gott ans Werk

Von nun an konnte er unmöglich verschweigen, was er erlebt hatte. Bei jeder Gelegenheit erzählte er eifrig von Jesus und was dieser ihm bedeutete. So lief er beispielsweise direkt in die Kneipe, in der er früher so manche Nacht durchgezecht hatte, um dem Wirt von seinem neuen Leben zu erzählen. In seiner Freizeit versorgte er die umliegenden Dörfer mit christlichen Büchern. Er hatte sich komplett verändert: „Einst war ich in der Gastwirtschaft ein- und ausgegangen, war dort zu Hause, doch nun musste ich Gelegenheit finden, ihnen allen den Herrn Jesus zu verkünden.“ Später kamen Vorträge hinzu. Aufgrund seiner Herzkrankheit wurde er bereits 1933, im Alter von 35 Jahren, pensioniert. Von da an konnte er sich ausgiebig seiner neuen Leidenschaft widmen. Gott ließ in Werner Heukelbach den Gedanken aufkommen, in einem eigenen Zelt von Ort zu Ort zu ziehen und von Jesus Christus zu erzählen – weil viele Menschen nicht gern in eine Kirche gingen. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Ein guter Bekannter überreichte ihm einen Scheck. Er verhandelte mit der Zeltfirma. Ein Freund lieferte kostenlos Holz. Ein anderer bot sich an, das Holz zu bearbeiten. Wiederum andere spendeten die Eisenpfähle, Heringe und Haken. 1937 startete Werner Heukelbach mit einem eigenen Zelt und zog durch die Lande. Ein Jahr später verfasste und verteilte er seine ersten eigenen Handzettel. Er ging von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus. „Ich muss den Herrn von Herzen bezeugen, ich muss mehr unternehmen. Ich muss Größeres für ihn tun, der alles für mich hingegeben hat.“ Gott gab ihm immer mehr Aufgaben. Er wollte jedem Menschen ins Herz rufen: „Gerade du brauchst Jesus!“ Und genau das wurde auch das Motto seiner Arbeit. Die Nationalsozialisten erteilten ihm später absolutes Redeverbot. In dieser Zeit kam ihm der Gedanke, mehr Literatur zu verfassen und zu verbreiten. Also schrieb er immer mehr Texte, ließ sie drucken und verschickte sie. Gleichzeitig trommelte er Leute zusammen, die beim Verteilen halfen. 1946/47 mietete er ein Haus in Wiedenest an und gründete einen gemeinnützigen Verein. Viele Millionen Hefte und Milliarden Handzettel haben seitdem das Haus des Missionswerkes Werner Heukelbach kostenlos in alle Welt verlassen. In über 100 Ländern, in denen deutschsprachige Menschen leben, ist der Name Heukelbach ein Begriff.

Von Gott beschenkt

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, schenkte Gott Werner Heukelbach verschiedene Ideen: So war beispielsweise in Zeitungen millionenfach der Hinweis zu lesen: „Gerade du brauchst Jesus!“ Er begann, auch über das Radio die gute Botschaft von Jesus Christus zu verbreiten. Außerdem stellte Werner Heukelbach in über 50 Städten Anrufbeantworter auf, mit denen er seine Kurzpredigten auch telefonisch anbot. Tag und Nacht konnten hier verzweifelte und suchende Menschen anrufen und sich ein Mut machendes Wort anhören. Und wenn man in den 50er Jahren ein Flugzeug am Himmel sah, konnte es gut sein, dass es ein Banner hinter sich herzog – der Schriftzug darauf war gar nicht zu übersehen: „Gerade du brauchst Jesus!“ Mitte der 60er Jahre war „Werner Heukelbach“ das größte Literatur- Missionswerk Europas. Und Gott war wirklich gnädig: Denn viele Menschen haben sich durch das Werk für ein Leben mit Jesus Christus entschieden und Frieden mit Gott gefunden. Werner Heukelbach starb am 5. Februar 1968 in Gummersbach. Hatte er früher noch Jesus Christus verspottet und geleugnet, prägten später Liebe und Hingabe zu seinem Herrn sein Leben. Wie ging es dann weiter? Mit Manfred Paul kam ein Nachfolger ins Haus, der die Arbeit ganz im Sinne Heukelbachs fortsetzte. Viele Jahre hat er mit Gottes Hilfe die Arbeit im Werk geleitet und geprägt. Ende 2002 folgte Rudi Joas. Auch ihm ist es ein Herzensanliegen, die gute Botschaft hinauszutragen. Daher wurde auch unter seiner Regie die Zeltarbeit wieder aufgenommen.

Die Geschichte als Heft

Vom Gottesleugner zum Evangelisten