Keine voreiligen Schlüsse: Auch Senioren können noch umkehren

30. Januar 2026

Das Rentenalter bringt seine eigenen Themen mit sich – oft auch spiritueller Art. Für unsere Alltagsmission sind dabei zwei Fragen entscheidend: Öffnen sich ältere Menschen dem Glauben gegenüber eher oder verschließen sie sich ihm? Und was kann Senioren dazu ermutigen, dem Leben mit Jesus eine Chance zu geben?

Wenn wir ältere Menschen durch unsere Brille der „Alltagsmission“ betrachten, kann es uns leider schnell passieren, die Ausgangslage dieser Zielgruppe falsch einzuschätzen. Vor allem, wenn wir selbst noch deutlich jünger sind.

Der erste Fehler kann schon allein darin bestehen, „die Senioren“ für eine homogene Gruppe zu halten. Dieser Lebensabschnitt verläuft genauso in Phasen, wie jeder andere auch. Und ebenso verschieden sind ältere Menschen hinsichtlich ihrer Lebensumstände, Charaktere, Erfahrungen, Prägungen und Überzeugungen. Mehr zum Thema Phasen des Alters findest du im thematisch passenden Blogartikel.

Zweitens kann es sein, dass wir vorschnell davon ausgehen, ältere Menschen könnten mit dem Glauben sicher ohnehin nichts mehr anfangen.

Eine dritte Falle ist die Illusion, ältere Menschen würden sich im Vergleich zu jungen leichter tun, zum Glauben zu finden. Sind viele Senioren nicht eh schon irgendwie gläubig, weil sie ja auch oftmals noch eher christlich geprägt wurden?

Das Fatale an diesen Fehleinschätzungen ist, dass sie uns nicht gerade dazu ermutigen, Senioren in unseren evangelistischen Bemühungen viel Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei sollte unser Bemühungen, den Glauben authentisch vorzuleben und weiterzugeben, eigentlich keine Altersgrenze haben – im Gegenteil!

Auch Senioren brauchen Jesus

Für alte Menschen wird die verbleibende Lebenszeit im Vergleich zur bisher gelebten Zeit immer kürzer. Sie wird deshalb nicht unwichtig, sondern im Blick auf eine Glaubensentscheidung sogar umso wichtiger. Deshalb ist auch das Bemühen, Menschen in dieser Zeit mit dem Evangelium zu erreichen, so wichtig. Dies geschieht im Gehorsam gegenüber dem Auftrag von Jesus Christus. So wie Jesus den Menschen begegnet ist, so ist es auch für seine Gesandten maßgebend: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“, sagt Jesus (Johannes 20,21).

Was hat Jesus motiviert? War es der Erfolg? Sicher sah er die Möglichkeiten, wenn er von einer großen weißen Ernte sprach (Johannes 4,35; Matthäus 9,37). Aber ebenso erlebte vielfache Ablehnung. Auch dann, wenn er um eine große Stadt mit ihren Menschen gerungen hat (Lukas 13,34). Es war nicht der mögliche Erfolg, sondern die in ihm wohnende Liebe zu seinem Vater und zu den Menschen. Das machte ihn unabhängig vom Erfolg und frei für die Menschen. Auch hier gilt für jeden, der sich von ihm senden lässt: Wie er geliebt hat, so soll auch für sie die einzige Motivation die Liebe Gottes in ihnen sein. Oder um es mit Paulus zu sagen: „Die Liebe Christi drängt uns“ (2. Korinther 5,14). Eben auch zu den Älteren und Alten. Sie sind von Gott geliebt.

Podcast: Senioren zu Jesus führen

Wie erreichst du Senioren mit dem Evangelium? Siegfried Leferink gibt praktische Gesprächseinstiege und klärt über typische Hürden auf. Ermutigend und konkret für deinen Alltag.

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Viele Ältere wissen nicht um die Wichtigkeit der Glaubensbeziehung

Der Anteil der Bevölkerung im deutschsprachigen Raum, die 60 Jahre und älter sind, wächst ständig. Und diese Generation braucht wie jede andere das Evangelium. Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, als wüssten die Älteren noch Bescheid, worum es dabei geht. Wer sich sein Leben lang nicht damit beschäftigt hat, hat hier auch keinen Zugang.

Manchmal bietet sich noch nicht einmal ein natürlicher Anknüpfungspunkt zu ersten annähernden Gesprächen. Im Erwachsenenleben gibt es zu gesellschaftlichen Gruppen oft einen natürlichen Kontakt durch den Beruf, die Schule oder durch Vereine und Interessengruppen. Solche Berührungspunkte nehmen in der Altersphase in der Regel eher ab. Der Kontakt muss dann oft bewusst gewollt und gesucht werden.

Das Schöne und Erleichternde daran ist wiederum, dass der Kontakt zu Älteren oft direkt vor unserer Haustür entstehen kann. Es sind keine langen Reisen oder große Mobilität nötig. Man muss keine fremde Sprache lernen oder sich an eine fremde Kultur gewöhnen. Und ja, manchmal gelingt es sogar tatsächlich, an Vorhandenes anzuknüpfen, wie etwa an eine christlich geprägte Erziehung, den Konfirmandenunterricht oder eine Tradition. Geduld und einen langen Atem können aber gerade in der Alltagsmission unter Senioren durchaus nötig sein. Denn:

Statistisch gesehen finden ältere Menschen seltener zum Glauben

Die Erfahrung zeigt, dass die überwältigende Mehrheit grundlegender Glaubensentscheidungen in der Kindheit und im Jugendalter getroffen werden. Erwachsene tun sich schon etwas schwerer. Wer sich allerdings im letzten Drittel des Lebens ab 60 Jahren befindet, tut sich sehr schwer damit. Leider gibt es dazu nur wenige Studien, doch wir können auf eine Umfrage zurückgreifen, die das Greifswalder Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung 2009 durchgeführt hat. Die damals erhobenen Zahlen legen nahe, dass 5 % der Befragten zum Zeitpunkt ihrer Bekehrung zwischen 60 und 65 Jahre alt waren; 3 % zwischen 65 und 70 Jahre, und nur 1 % jenseits von 70 Jahren. Glaubensentscheidungen im Alter geschehen also eher selten.

© heukelbach [1]

Prozentualer Anteil der Befragten in den verschiedenen Altersgruppen zum Zeitpunkt ihrer Bekehrung.

Vergleich des prozentualen Anteils der ostdeutschen und der westdeutschen Befragung in den verschiedenen Altersgruppen zum Zeitpunkt ihrer Bekehrung.

© heukelbach

Diese Zahlen zeigen uns, dass es offensichtlich im Alter schwerer ist, umzukehren und eine neue Richtung einzuschlagen. Das liegt unter anderem daran, dass die Spurrillen des eigenen Weges sehr tief sind und es nur schwer möglich ist, da rauszukommen. Über Jahrzehnte haben sich bestimmte Denkweisen und Überzeugungen verfestigt. Diese hängen oft mit Traditionen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten zusammen. Oft werden diese zwar als einengend erlebt, aber man kommt irgendwie nicht raus. Man will nicht aus der Reihe tanzen, nicht einen sonderbaren „frommen” Weg gehen.

Es fällt auch deshalb nicht leicht, weil jede Umkehr auch eine Abkehr von dem Bisherigen bedeutet. Auch von dem, auf das man bisher gesetzt hat und stolz war. Manche haben es sogar vor Gott geltend gemacht, als Vorleistung dafür, dass Gott ihnen doch gut gesonnen sein möge. Kann man dann nicht erwarten – um nicht zu sagen, einfordern –, dass Gott es einem gut gehen lässt?

Mit einer Umkehr stellt der ältere Mensch die bisherige Ausrichtung seines Weges in Frage oder zumindest nimmt er eine radikale Überprüfung vor. Das ist ein gewaltiger Schritt, der sicher nicht ohne Schmerzen vorgenommen wird. Ältere Menschen sind oft auf ihr bisheriges Lebensmuster festgelegt und tun sich mit grundlegenden Änderungen eher schwer.

Besonders im hohen Alter kann es – muss es aber nicht zwingend – dazu kommen, dass die innere und geistige Beweglichkeit nachlässt und es somit schwerfällt, über eine andere Sicht nachzudenken, geschweige denn umzudenken. Bei der metanoia, dem griechischen Wort für das, was in den Bibelübersetzungen oft mit Buße übersetzt wird, geht es um das Umdenken und damit um eine Neuausrichtung des Sinnes.

Diese Bilanz mag auf den ersten Blick ernüchternd wirken und die anfänglich erwähnte Resignation bezüglich der Alltagsmission unter Senioren nahelegen. Doch, auch wenn Senioren es einerseits schwerer haben, zum Glauben zu finden, unmöglich ist es nicht! Dazu tragen wiederum vor allem die folgenden drei Gründe bei:

Umkehr im Alter ist dennoch möglich

Die Generation der heutigen Senioren ist bei weitem offener, toleranter und flexibler als frühere Generationen.

Somit sind sie auch aufgeschlossener gegenüber neuen Überlegungen und Erfahrungen. Warum also nicht auch gegenüber Glaubensfragen und bisher nicht bekannten Erfahrungen? Zumindest sollten wir darüber ins Gespräch kommen. Jeder Umbruch oder Lebenseinschnitt fordert förmlich dazu heraus, sich grundlegende Gedanken zu machen. Der Renteneintritt, der Verlust eines lieben Menschen oder ein weiteres Jahrzehnt gelebten Lebens können solche Momente sein.

Bei Gott gibt es kein „Unmöglich“.

In Matthäus 19,16ff lesen wir von einem Reichen und Einflussreichen, wie er Jesus fragte nach den Bedingungen, um das ewige Leben zu erhalten. Als Jesus ihm sagte, dass er seinen Reichtum an die Armen abgeben müsse, wurde er traurig. Er war nicht bereit, seinen Reichtum loszulassen, um frei zu sein, auf den himmlischen Reichtum zu setzen und Jesus nachzufolgen. Jesus sagte dann, dass es allgemein für Reiche schwer sei, in das Reich Gottes zu kommen. Sie seien geneigt, das in der Vergangenheit Erreichte festzuhalten und ihre Zukunft darauf zu setzen.

Es mag bei den Alten nicht gleich der Reichtum sein, den sie nicht loslassen können. Aber wie ist es mit all dem Vergangenen, dem Erworbenen, dem als „Schatz” Gehüteten, dem Status Zuträglichen und durch lange Tradition Verfestigten? Wie schwer fällt es ihnen oft, das in Frage zu stellen und das Pfund, das sie einbringen möchten, loszulassen.

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Die Jünger fragten sich: „Wer kann dann gerettet werden?” Die Antwort Jesu ist: „Was bei Menschen nicht möglich ist, das ist bei Gott möglich.” Es ist tatsächlich nicht weniger als ein Wunder nötig, wenn ein älterer Mensch zur Umkehr und zum Glauben findet. Mit diesem Wunder darf der rechnen, der sich im Alter an Christus wendet. Und auch der, der ihnen diese Botschaft vermittelt, darf auf solch ein Wunder setzen.

Das Evangelium ist weitaus herrlicher als vielfach gedacht.

Umkehr bedeutet niemals nur „Abkehr”. Es ist vor allem eine „Hinkehr” zu allem, was das Evangelium zusagt und bereithält. Es geht also nicht nur um die Vergangenheit, sondern vor allem um die Zukunft. Das wird an der früh verkündeten Botschaft vom Reich Gottes deutlich: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.”

Dieses Wort ist keine Drohung, es ist eine Einladung. Es ist, als wenn jemand einer Einladung folgt und der Gastgeber darauf hinweist, dass der Festsaal sich im gegenüberliegenden Raum befindet und man bitte umkehren möge, um sich dahin zu orientieren. Das Umdenken, die Umkehr bezieht sich vor allem auf das Evangelium, das geglaubt werden soll. Das Loslassen des Bisherigen ist also keinesfalls ein Verlust, im Gegenteil ein reicher Gewinn, der alles andere in den Schatten stellt. Dieses Evangelium mit all seinem Reichtum gilt es, sich klarzumachen und im Gespräch darzustellen.

Lebensthemen, die Senioren zum Anlass werden können, umzudenken?

Der Renteneintritt ist für die meisten ein gravierender Einschnitt. Manche sehnen ihn herbei, aber viele fürchten auch, das sie mit der neuen Rolle nicht zurechtkommen. Das hat nachvollziehbare Gründe. Es stellen sich drei grundsätzliche und weitreichende Fragen:

1. Wer werde ich sein?

Es ist die Frage nach der Identität. Wir möchten wissen, was uns im Innersten ausmacht, auch wenn alle Rollen wegfallen. Mancher macht sich im Alltag in Beruf, Familie und Gesellschaft nur wenig Gedanken darüber. Wenn dann die Rolle im Beruf wegfällt, kommt mancher ältere Mensch in eine erhebliche Krise. Ihm wird quasi der Boden unter den Füßen weggezogen. Es wird höchste Zeit, dass die Frage nach der Identität grundlegend beantwortet wird. Das Evangelium von Jesus Christus hält diese Antwort bereit.

2. Wie werde ich leben?

Bisher gab es einen regelmäßig wiederkehrenden Takt im Alltag. Nun muss der Rentner mit der gewonnenen Zeit anders umgehen. Manches ist für ihn ungewohnt. Nicht selten stehen sogar eine Neuorientierung und ein Umzug an. Die Zukunft kommt unter einem anderen Vorzeichen in den Blick. Man muss sich dem Alter und letztlich auch der Endlichkeit des Lebens stellen. Auch hier finden wir die grundlegenden Antworten im Evangelium.

3. Was werde ich tun?

Es geht ja nicht nur darum, irgendwie die Zeit auszufüllen. Auch der Alte will etwas Sinnvolles tun, damit er befriedigt den Tag abschließen kann. Das bedeutet auch, einen Beitrag zu leisten, der für die Familie, für die Gesellschaft, eben für Menschen bedeutsam ist. Sinn und Bedeutung hängen aufs Engste zusammen. Gott hat dieses Bedürfnis in uns Menschen gelegt. Und das bis zum Schluss.

Diese drei Fragenkomplexe bieten viele Ansatzpunkte, um im Gespräch nicht beim oberflächlichen Smalltalk zu bleiben. Der Schritt ist dann nicht mehr weit, um über die Bilanz des bisherigen Lebens nachzudenken. Und auch die Hoffnung anzusprechen, die über dieses Leben hinausreicht. Damit berühren wir schon die Kernthemen des Evangeliums.

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Nimm die Sehnsüchte der Älteren in den Blick

Für viele geht es bei Religion darum, sich einfach anzupassen und mitzumachen, wie alle es tun. Das kennzeichnet oft die sogenannte „Volksfrömmigkeit”. Es ist allgemein vom „lieben Gott“ die Rede oder von „dem da oben“. Gewisse Rituale zum Beginn des Lebens, die Trauung zum Beginn der Ehe und ja auch die Beerdigung am Ende sind allgemein anerkannt. Die Frage nach dem persönlichen Glauben bleibt oft außen vor.

Doch darum geht es, wenn wir hier davon sprechen, wie es im Alter möglich ist zum Glauben zu finden. Das heißt, in eine persönliche Vertrauens-Beziehung zu Gott zu finden. Viele verwechseln leider „persönlich“ mit „privat“. Wir haben uns in unserer Gesellschaft leider daran gewöhnt, dass der Glaube in den privaten Bereich geschoben wird. Jeder macht das eben mit sich aus, ohne dass andere es mitbekommen. Sie sollen es auch nicht wissen, da es eben Privatsache ist. Manche finden es sogar übergriffig, wenn diese Frage überhaupt auf den Tisch kommt. Dann ist es natürlich schwer, sich diesen Themen neu und offen zu stellen. Doch das hat fatale Folgen. Der alternde Mensch bleibt mit seinen existenziellen Fragen für sich. Mancher begibt sich damit in eine selbstverordnete Einsamkeit.

Wie gut, wenn diese Menschen ein Gegenüber finden, bei dem sie ihre tiefe Sehnsucht aussprechen können. Es sind vor allem drei Themen, die immer wieder an die Oberfläche drängen:

1. Die Sehnsucht nach Bewältigung der Vergangenheit.

Viele alte Menschen sprechen über die Vergangenheit, über erfahrenes Unrecht oder über gravierende Fehlentscheidungen. Das belastet sie. Doch das immer wiederholte Hervorholen bringt keine Bewältigung mit sich. Sich mit der Vergangenheit zu versöhnen, braucht die versöhnte Beziehung zu dem, der mit der Schuld und der belastenden Vergangenheit fertig geworden ist. Dazu ist Jesus zu uns Menschen gekommen, um genau das zu bewirken, als er am Kreuz dafür eingetreten ist und starb.

2. Die Sehnsucht nach innerem Frieden.

Das Erlebte hat im Leben des alten Menschen seine Spuren hinterlassen. Oftmals führt das zu einer inneren Unruhe und auch zu einer Unzufriedenheit, die schwer zu erklären und zu fassen ist. Sie brauchen die Gewissheit, dass ihr Leben in guten Händen aufgehoben ist. Auch hier geht es um die vertrauensvolle Beziehung, mit der sich der alte Mensch Gott überlassen kann.

3. Die Sehnsucht nach einer begründeten Hoffnung.

Diese Sehnsucht wird oft nicht thematisiert, doch sie schwingt im Hintergrund mit. Das „Danach“ des Lebens lässt sich einfach nicht ausblenden. Wer an dieser Stelle nicht zur Ruhe kommt und zu einer zuversichtlichen Gewissheit findet, weicht einer entscheidenden Frage aus. Dabei ist gerade die Hoffnung ein Hauptthema im Evangelium, weil Jesus Christus nicht nur für uns gestorben, sondern auch auferstanden ist. Auch mit dem Ziel, uns die herrliche Auferstehung zu schenken.

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Nicht nur Worte helfen, um im Alter zum Glauben zu finden

In der Evangelisation legen wir oft großen Wert auf das gesprochene Wort. Wenn es darum geht, das Evangelium intellektuell begreifbar zu machen, ist dies sicher auch gut so. Doch oftmals sind es nicht unbedingt die Worte, die letztlich das Herz eines Menschen ansprechen, sondern das Erleben. Zum Beispiel auf eine der folgenden drei Arten:

  1. Eine Zugehörigkeit zu einer Gruppe, bei der der christliche Glaube eine Rolle spielt, kann helfen, einen eigenen Zugang zum Glauben zu finden. Hier kommt zum Tragen, was in der Mission seit langem beobachtet wird: „Belonging before believing.” Die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche und Gemeinde geht vielfach der Entscheidung zum persönlichen Glauben voraus. Menschen haben Kontakt mit einer Gemeinschaft von Christen, fühlen sich in ihr wohl und werden von ihr angezogen. Nicht nur der Einzelne, sondern besonders die Gemeinde als Gemeinschaft bezeugt ihnen durch ihren Lebensstil das Evangelium. Nicht nur das verbal übermittelte Evangelium spricht sie an, sondern die überzeugende Gemeinschaft der Liebe (Johannes 13,35). Wir sollten darauf achten, dass Ältere diese Möglichkeit der erlebten Gemeinschaft bekommen, um dem Geheimnis des Glaubens auf die Spur zu kommen.
  2. Gleichaltrige haben insbesondere einen Zugang zu älteren Menschen. Nicht nur, aber hier fällt es oft leichter, da man über ähnliche Erfahrungen sprechen kann. Auch darüber, wie man diese selbst bewältigt hat und welche Rolle dabei der Glaube spielt. Wer in das Rentenalter eintritt und noch sehr fit und aktiv ist, braucht entsprechende Gruppen und Ansprechpartner. Wie gut, wenn ihnen nicht nur das Evangelium mitgeteilt wird, sondern auch das Leben geteilt wird (1. Thessalonicher 2,8).
  3. Wer das Leben mit anderen teilt, kommt auch schnell in Situationen, in denen er dem anderen zur Hilfe kommen kann. Gerade wenn Menschen sich schwertun, solche gewichtigen Themen anzusprechen, kann die helfende Tat ein Türöffner für das Evangelium sein. Und Hilfe brauchen alte Menschen immer wieder. Das kann eine kleine Gefälligkeit sein bis hin zu intensiver Unterstützung im Alltag. Der Weg zur Anbetung Gottes beginnt oft mit einem guten Werk (Matthäus 5,16). Unterschätzen wir das nicht.

Es gibt kein Schema F

Wenn wir davon sprechen, dass der Glaube etwas sehr Persönliches ist, dann sieht der Vorgang des Zum-Glauben-Kommens auch persönlich geprägt aus.

Es gibt jene Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend in irgendeiner Weise christlich geprägt wurden. Wir sprechen hier von christlicher Sozialisation. Das hat sich oft über Jahrzehnte verloren, bis dahin, dass sich mancher bewusst gegen den Glauben entschieden hat. Im Alter kann – muss nicht – die Erinnerung wach werden, dass man etwas verloren hat und möchte da wieder anschließen. Und sei es nur das Wissen, dass es Gott gibt und man ihm verantwortlich ist. Allein dieses Wissen kann eine Suche nach der Beziehung zu Gott einleiten.

Andere hatten bisher noch nie den Impuls bekommen oder das Bedürfnis verspürt, sich mit den Fragen des Glaubens zu beschäftigen. Hier kann es im Alter zu Begegnungen mit Christen oder dem Lesen eines Buches dazu kommen, dass das Interesse am Evangelium von Jesus Christus geweckt wird. Es beginnt eine Suche nach weiteren Antworten, und es kommt zu erstaunlichen und überzeugenden Entdeckungen.

Manchmal kommt es auch vor, dass ein Älterer durch ein besonderes Ereignis oder durch einen Vortrag oder eine Predigt derart im Innersten angesprochen wird, dass er eine Lebenswende vollzieht. Weg von all den bisherigen vergeblichen Versuchen nach Erfüllung hin zu dem lebendigen Gott.

Wie immer der Zugang sich entwickelt oder erfolgt, grundlegend ist, dass Gott sich den Zugang zu ihren Herzen verschafft. Mit der Sendung von Jesus in diese Welt ist der Schritt getan. Durch seinen Geist berührt er ihre Herzen, damit sie sich öffnen für die erfreuliche Nachricht, dass Gott sie retten will von all dem, was sie hindert, in der Gemeinschaft mit Gott zu sein.

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Eine spannende Lebensphase

Ob du nun Senior bist oder dich um sie bemühst, es ist eine spannende Lebensphase. Buchtitel wie „… und immer ist noch Luft nach oben” von Jürgen Werth oder „Noch einmal ist alles offen” von Cornelia Coenen-Marx zeigen das deutlich auf. Wir müssen uns nicht mit dem Alter abfinden, sondern dürfen es angehen und entsprechend gestalten. Sicher jeder in besonderer Weise, da nicht jedes Altwerden miteinander vergleichbar ist.

Doch wenn es zu einer persönlichen Glaubensbeziehung zu Jesus Christus kommt, kommt etwas Neues, das entscheidend Neue, in das Leben hinein. Die Motivation, die daraus erwächst, könnte nicht größer sein. Sei gespannt, was Gott mit dir machen wird!


[1] Die Daten sind entnommen aus: Wie finden Erwachsene zum Glauben? Herausgegeben vom Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Neukirchener Verlagsgesellschaft

Titelbild: © unsplash.com/Getty Images

Siegfried Leferink

Pastor im Ruhestand und Chefredakteur der von LebenPlus

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