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Gerade noch hast du deinem Nachbarn, deiner Freundin, deinem Arbeitskollegen leidenschaftlich erzählt, was Jesus dir bedeutet – was könnte sie jetzt noch davon abhalten, deinem flammenden Plädoyer Glauben zu schenken? Doch dann kommt sie – diese eine gefürchtete Frage: „Warum aber lässt Gott Leid zu?“
Eben noch siegessicher im Sattel, fühlst du dich binnen Sekunden wie ein Schuljunge, der in der mündlichen Prüfung sitzt und die falschen Themen gelernt hat. Dein Kopf fängt an zu rauchen – totaler Blackout. Auf der Suche nach einer halbwegs guten Antwort stammelst du vielleicht unsicher ein paar Sätze zusammen. Die Situation wird unangenehm – und das Gespräch endet ausgerechnet dort, wo du eigentlich hinwolltest und wo es gerade beginnt spannend zu werden.
Gespräche über existenzielle Fragen sind genau das, was wir uns in unserer Alltagsmission wünschen. Endlich geht es mal „ums Eingemachte“. Wie oft bewegen wir uns auf der Smalltalk-Ebene und wünschen uns, dass Gespräche tiefer gehen dürfen? Doch dann kann diese eine Frage schnell zur Fallklippe für uns werden. Man hat das Gefühl, sowieso nur falsch antworten zu können, und so gelingt es unter Umständen nicht, das Gespräch aufrechtzuerhalten. Warum ist das so, und was können wir tun, damit uns die Theodizee-Frage im Gespräch mit unserem Nächsten nicht in die Knie zwingt?
Du ahnst es vielleicht schon: Ein Patentrezept werde ich dir in diesem Artikel nicht liefern – erst recht keine theologisch wasserdichte Universalantwort – aus gutem Grund:
Natürlich lassen sich zwar einerseits heilsgeschichtlich fundierte und biblisch verankerte Dinge zur Leidthematik sagen – und wenn du vor allem danach suchst, wirst du weiter unten in diesem Artikel auch fündig. Andererseits bin ich aber davon überzeugt, dass der Schlüssel im Umgang mit der Theodizee-Frage gerade nicht darin liegt, sie möglichst hieb- und stichfest beantworten zu können. Jeder Versuch wird daran scheitern. Zum einen, weil uns die Theodizee-Frage vor allem eines lehrt: Es entspricht dem Kern von Gottes Souveränität, dass er Entscheidungen trifft und Dinge tut, die wir nicht verstehen können.
Doch noch ein weiterer Aspekt ist wichtig, der uns im Umgang mit der Leidthematik Handlungsspielraum gibt. Nehmen wir mal an, wir wären in der Lage, die Frage nach dem Warum vollumfänglich zu beantworten – wäre es das, was unser Gegenüber im evangelistischen Gespräch braucht? Würde er die Antworten hören wollen, und würde ihn das zum Glauben an Jesus Christus einladen?
Auch bei anderen, vielleicht weniger heiklen Themen ist in evangelistischen Gesprächen nicht nur wichtig, was du sagst – sondern vor allem auch, wie du reagierst. Und oftmals bewirkt eine zurückhaltende und eher fragende Haltung im Gespräch mehr als vorgefertigte theologische Wahrheiten, die ohne echtes Interesse an der Sichtweise des Gegenübers präsentiert werden.
Ich will dich also ermutigen: Natürlich macht es einerseits Sinn, zumindest Bibelstellen zu kennen, die etwas zum Thema sagen. Darüber hinaus kommt es im Gespräch aber vor allem auf ein paar wenige Grundsätze an, mit denen du übrigens auch bei anderen kontroversen Themen in der Regel nicht viel falsch machen kannst:

1. Beachte den Subtext: Warum stellt dein Gegenüber die Frage nach dem Leid?
Die Theodizee-Frage gehört zu den schwierigsten und umstrittensten Fragen der Theologie überhaupt. Kein Wunder also, dass sie auch in unserer Alltagsmission in evangelistischen Gesprächen eine Herausforderung ist. Doch Folgendes darf uns dabei ermutigen: Anders als wir vielleicht oft denken, ist sie hier oft eher zwischenmenschlicher als intellektueller Art. Mit anderen Worten:
Im Umgang mit dieser Frage sind Feingefühl und echtes Interesse an unserem Gegenüber oft schon die halbe Miete. Denn Menschen stellen die Warum-Frage aus höchst unterschiedlichen Beweggründen. Nicht immer sind sie intellektuell motiviert – und selbst wenn, gewinnen unmittelbar vorgetragene sachliche Argumente allenfalls eine Diskussion, aber nicht zwangsläufig Menschen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich unser Gegenüber ebenso von uns auf die Prüfungsbank gesetzt fühlt, wenn wir dieser Frage nur mit möglichst schlagkräftigen Argumenten begegnen. Auch dann wird das Gespräch unangenehm und möglicherweise ebenso abrupt enden, wie eingangs beschrieben.
Im evangelistischen Gespräch kann es also sogar hinderlich sein, wenn wir uns unmittelbar um eine theologisch saubere Antwort bemühen – sogar dann, wenn unser Gegenüber die Theodizee-Frage aus intellektuellen Gründen stellt.
Gibt es also nur falsche Antworten auf die Theodizee-Frage? Können wir im Gespräch nur verlieren, sobald sie aufkommt? Solange wir versuchen, sie unmittelbar argumentativ zu besiegen, vermutlich ja. Wenn wir aber stattdessen klug reagieren und eher den fragenden Menschen in den Blick nehmen als die Frage selbst, besteht durchaus die Chance, dass diese Frage zum Einstieg in weitere tiefergehende Gespräche wird.
Wann immer dein Gegenüber euer Gespräch auf die Leidfrage lenkt, lohnt es sich also, nicht direkt in Antworten zu denken. Frag dich vielmehr innerlich – und je nach Situation auch dein Gegenüber durchaus direkt: „Warum wird diese Frage jetzt gestellt? Geht es um eine allgemeine Überlegung, oder verbindet dein Gegenüber damit eine persönliche Erfahrung?“
Gerade Letzteres ist entscheidend. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob jemand die Theodizee-Frage grundsätzlich auf das Weltgeschehen bezieht oder weil er selbst Leid erlebt (hat). Dementsprechend sollte auch deine Reaktion ausfallen. Und selbst diese Unterscheidung ist noch sehr grob. Hier einige Beispiele, warum Menschen die Frage nach dem Leid im evangelistischen Gespräch stellen könnten:
Warum Menschen die Theodizee-Frage stellen
Rationale bzw. intellektuelle Gründe
- Sie sind grundsätzlich skeptisch gegenüber Religion und suchen nach rationalen Gegenargumenten.
- Die Frage, warum Gott Leid zulässt, kennen sie als allgemeines Gedankengut – aber für sie ist es keine rhetorische Frage. Sie meinen es ernst und suchen eine Antwort, die wirklich trägt.
- Sie wären grundsätzlich offen für den Glauben – doch die Theodizee-Frage wird zum entscheidenden inneren Hindernis. Sie glauben in der christlichen Lehre über Allmacht und Liebe Gottes einerseits und dem nicht zu leugnenden Leid in der Welt einen willkommenen Widerspruch entdeckt zu haben. Solange sie keine überzeugende Antwort finden, ist der Glaube für sie keine echte Option.
Zwischenmenschliche Gründe
- Das Thema Glaube überrumpelt sie etwas. Diese Frage ist das Erste, was ihnen dazu einfällt – eine spontane Reaktion, kein tiefes Anliegen. Sie wollen einfach etwas Sinnvolles beitragen oder sich nicht blamieren.
- Das Gegenteil ist der Fall: Sie wollen das Gespräch über Glauben gar nicht weiterführen und nutzen diese Frage, um das Thema zu beenden.
- Glaube ist für sie ein Reizwort. Sie stellen diese Frage, um dich in die Defensive zu drängen – eine echte Antwort erwarten sie nicht.
- Sie wollen von persönlichen, unbequemen Themen ablenken und halten die Frage deshalb bewusst allgemein.
Gesellschaftliche Gründe
- Eine aktuelle Katastrophe oder ein Krieg hat die Frage neu aufgeworfen.
- Populäre Atheisten oder aktuelle Medienberichte haben die Frage angestoßen.
- Sie spüren auch ohne konkreten Anlass eine Art Weltschmerz. Sie sehen, dass die Welt nicht gut ist – und hinter der rationalen Frage steckt eine echte innere Betroffenheit.
Persönliche bzw. emotionale Gründe
- Sie stecken selbst in einer leidvollen Situation oder leiden mit einem nahestehenden Menschen mit – etwa durch Krankheit. Die Frage stellen sie daher ganz konkret und persönlich.
- Sie haben mehrere Schicksalsschläge erlebt, im eigenen Leben oder im Umfeld. Dadurch stellen sie die Frage grundsätzlicher – aber dennoch aus echter persönlicher Betroffenheit heraus.
So vielfältig sind die Gründe, warum Menschen die Theodizee-Frage stellen – und wahrscheinlich ist auch diese Liste noch nicht vollständig. Ich finde das geradezu faszinierend. Nicht nur, weil es zeigt, wie viel Fingerspitzengefühl nötig ist, um angemessen darauf reagieren zu können, sondern weil uns gerade diese Tatsache die Chance bietet, etwas ganz Entschiedenes zu signalisieren: ehrliches Interesse. Interesse an unserem Gegenüber, an seinen Themen, seinem Leben und an einer freundschaftlichen Beziehung zu ihm. Alles, was dafür nötig ist, ist die ernst gemeinte Rückfrage: „Darf ich fragen, was dich bewegt, diese Frage zu stellen?“

Aus den genannten Gründen kann es sogar ratsam sein, diese Rückfrage auch dann zu stellen, wenn du schon eine relativ klare Vermutung bezüglich der Gründe deines Gegenübers hast. Bestenfalls bewirkt dein Nachfragen nicht nur, dass sich dein Gegenüber verstanden fühlt und für eine Fortsetzung des Gesprächs öffnet. Du hilfst deinem Gesprächspartner auch dabei, sich selbst seiner Motive bewusst zu werden und somit vielleicht auch selbst mehr Klarheit zu gewinnen. Und noch etwas: Die Rückfrage verschafft dir Zeit, weise zu überlegen, wie du das Gespräch sinnvollerweise weiter lenken könntest.
Je nach Grund gibt es dann natürlich unterschiedliche Wege, wie du auf die Frage deines Gesprächspartners weiter eingehen könntest. Das kann durchaus das Gespräch auf eher intellektueller Ebene sein oder aber auch ein eher seelsorgerliches Mitfühlen. So oder so ist es aber ratsam, den zweiten Grundsatz zu beherzigen:
2. Denk langfristig in Beziehung, nicht kurzfristig in Erfolg
Vielleicht kennst du auch das: Endlich hat sich mal die Situation ergeben, mit jemandem tiefer über den Glauben zu sprechen. Das fühlt sich gut und richtig an. Verständlicherweise möchtest du jetzt auch möglichst fundiert und gründlich das gesamte Evangelium weitergeben. Und tatsächlich, es ist möglich, dass Gott dir genau so einen Moment schenkt und dein Gegenüber dafür offen ist. Es ist aber genauso gut möglich, dass du dein Gegenüber überforderst und im Gespräch verlierst, wenn du jetzt zu schnell und zu intensiv vorpreschst.
Deshalb setz dich nicht selbst unter Erfolgsdruck, nach dem Motto: „Jetzt oder nie“. Investiere nicht in einen kurzfristigen Erfolg, sondern in langfristige Beziehung. Wie macht man das? Zum Beispiel, indem du dich bei dem, was du inhaltlich weitergibst, an den Fragen deines Gegenübers orientierst, nicht an deiner Agenda im Kopf. Oder indem du auch selbst immer wieder fragst, wie dein Gegenüber zu dem steht, was du gerade gesagt hast. Das bringt zwei Vorteile mit sich: Du erfährst mehr über den Standpunkt deines Gesprächspartners, sodass du passgenauer darauf eingehen kannst. Gleichzeitig signalisierst du echtes Interesse, das euer Vertrauen stärken wird. Nichts ist unglücklicher, als wie ein Staubsaugervertreter zu wirken, der irgendwie sein Produkt an den Mann bringen will. Je mehr Druck aufgebaut wird, desto weniger will man den Staubsauger. Deshalb: Berichte freimütig, wenn du gefragt wirst, und nimm dich zurück, wann immer du merkst, dass aus eurem Dialog gerade ein einseitiger Monolog wird.

3. Antworte auf die Leidfrage ehrlich, menschlich und authentisch
Gerade eben haben wir darüber gesprochen, dass uns die Theodizee-Frage ins Schwitzen bringen kann, weil Menschen sie aus unterschiedlichsten Motiven heraus stellen. Im Gespräch gilt es jeweils herauszufinden, worum es der fragenden Person eigentlich geht, sodass wir passend reagieren können. Doch es gibt noch einen weiteren, ganz wesentlichen Grund, warum uns die Frage nach dem Leid im evangelistischen Gespräch so sehr herausfordert: Sie bringt auch uns Christen in Erklärungsnot. Ja, teilweise haben wir biblisch bzw. heilsgeschichtlich gut begründbare Antworten. Einen ganz wesentlichen Abschnitt finden wir zum Beispiel in Römer 5.
Paulus beschreibt hier, wie beim Sündenfall durch einen Menschen die Sünde und somit auch der Tod bzw. das Leid für alle Menschen in die Welt kam. Als Gegenpol dazu beschreibt er, dass genauso durch nur eine Person – Jesus Christus, den Sohn Gottes – die Vergebung von Schuld für alle Menschen bewirkt wurde. Vers 21 fasst dann zusammen: „Denn genauso, wie die Sünde geherrscht und ´den Menschen` den Tod gebracht hat, soll die Gnade herrschen, indem sie Zugang zu Gottes Gerechtigkeit verschafft und zum ewigen Leben führt durch Jesus Christus, unseren Herrn.“
Als Kinder Gottes wissen wir somit auch um eine neue Realität, die zukünftig auf uns wartet und in der es kein Leid mehr geben wird (Römer 8). Und doch stoßen wir, vor allem im evangelistischen Gespräch, mit unseren Erklärungen spätestens hier schnell an Grenzen. Nicht nur, weil wir ja davon ausgehen, dass unser Gegenüber diese Hoffnung noch nicht hat, sondern weil wir spätestens, wenn es um persönliches Leid geht, auf viele Fragen tatsächlich keine Antwort haben: Warum sterben schon Babys an schlimmen Krankheiten? Warum passieren Unfälle? Warum trifft es gerade diese oder jene Person? Warum greift Gott nicht jetzt und hier ein, wenn doch nur ein Wort von ihm genügen würde?
Als Christ kennzeichnet dich also nicht, dass du auf alles eine Antwort hast (sondern, dass du darauf vertraust, dass Gott sie hat). Im evangelistischen Gespräch begegnet uns im Kontext der Theodizee-Frage aber immer wieder genau diese Erwartung: „Du bist doch Christ, also musst du es scheinbar besser wissen.“ Manch einer fragt sogar gezielt mit der provokanten Haltung: „Jetzt wollen wir doch mal sehen, was du dazu zu sagen hast – ob dein Glaube der Frage standhalten kann.“
Vor allem wenn wir im Gespräch spontan mit dieser Erwartung konfrontiert werden, mag die initiale Versuchung groß sein, ihr entsprechen zu wollen. Schließlich sind wir ja wirklich davon überzeugt, in Christus die entscheidende Antwort auf die Leidfrage gefunden zu haben. Also versuchen wir, logisch zu argumentieren und bei unserem Gegenüber diese Einsicht ebenso zu bewirken.
Doch übersehen wir dabei schnell Folgendes:
Christus als Person und Gottes Erlösungswerk durch ihn als Antwort auf jegliches Leid zu begreifen, ist vor allem eine Frage des Vertrauens, nicht so sehr rationalen Denkens.
Denn unsere Hoffnung in Christus beruht auf Ereignissen, die über 2000 Jahre her sind, und auf Verheißungen, die noch in der Zukunft liegen – Thomas hat geglaubt, weil er Jesus sehen konnte, aber Jesus sagte schon damals zu ihm: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Johannes 20,29).
Und jetzt sind wir mal ehrlich. Im Persönlichen und durchaus auch auf das Weltgeschehen bezogen, stellt sich uns Christen die Leidfrage ebenso. Wenn wir auf das schauen, was wir sehen und aktuell erleben, kommt auch uns die Frage in den Sinn: „Warum greift Gott hier nicht ein?“ Oftmals erleben wir nicht, dass Gott gerade Dinge zum Guten wendet – ausharren ist gefragt (Römer 5,3–5). Wir sehen oft nicht und glauben doch. Warum? Weil wir in Beziehung zu Jesus leben, weil wir ihm vertrauen und weil wir auf seine Zusagen vertrauen, wie wir sie etwa in Johannes 14,1ff finden:

„Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?“
Auch Paulus bringt es in Römer 8 ausdrücklich zur Sprache. Obwohl wir Kinder Gottes sind, leiden wir dennoch mit der gesamten Schöpfung mit, bis zu jenem Tag, an dem sich endgültig erfüllen wird, worauf wir hoffen. Was aber bedeutet das nun konkret für evangelistische Gespräche?
- Akzeptiere deine Grenzen: Es ist menschlich, nicht alle Antworten zu haben – und das darf sogar ruhig sichtbar werden. Wenn auch du mit Leid ringst und dich die Theodizee-Frage herausfordert, sag es ruhig. Als Christ bist du nicht immun gegen Schmerz oder Zweifel. Du lebst nicht abgehoben auf einem schwebenden Stern, sondern bist genauso Mensch mit Sorgen und Nöten. Unter Umständen können gerade dadurch Brücken entstehen, wo theologische „Perfektion“ Mauern errichten würde. Denn dadurch holst du eine möglicherweise hitzige Diskussion auf eine persönlichere Ebene, auf der es sich leichter weiterreden lässt. Auch wenn jemand provoziert, ist die beste Antwort oft nicht eine Gegenprovokation oder eine überintellektuelle Verteidigung, sondern eine ruhige, ehrliche und menschliche Reaktion. Das nimmt dem Provokateur den Wind aus den Segeln und öffnet möglicherweise einen Weg für ein echtes Gespräch.
- Erzähle, wie du persönlich mit Leid umgehst: Glaube bedeutet nicht, alle Rätsel gelöst zu haben, sondern inneren Frieden in der Beziehung zu Jesus zu finden, obwohl Fragen unbeantwortet bleiben. Auf der persönlichen Ebene kannst du also viel besser deutlich machen und ehrlich Zeugnis geben, wie die Beziehung zu Jesus eben doch auch jetzt schon einen Unterschied machen kann. Dabei gewinnt dein Zeugnis gerade dadurch an Glaubwürdigkeit, dass du menschlich bleibst. 1. Petrus 3,15 macht uns hierbei Mut. Es kommt nicht nur darauf an, dass wir unser Zeugnis erzählen, sondern wie – mit Sanftmut: „Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und zwar mit Sanftmut und Ehrerbietung.“
- Fühle ehrlich mit und antworte bedacht: In Römer 12,15 schreibt Paulus: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“ Manchmal ist die menschliche Präsenz wichtiger als eine theologisch wasserdichte Antwort. Hiobs Freunde machen das am Anfang vorbildlich: Sie sitzen sieben Tage schweigend bei ihm, „denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war“ (Hiob 2,13). Erst als sie anfangen, Hiobs Leid mit theologischen Weisheiten erklären zu wollen, kippt die Situation. So kann Sprachlosigkeit manchmal die ehrlichste Antwort sein. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nicht auch mal eine passende Botschaft weitergeben dürfen. Es geht nicht um Passivität. Aber wir dürfen uns an Kolosser 4,5–6 halten: „Verhaltet euch klug im Umgang mit denen, die nicht zur Gemeinde gehören. Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, ´euren Glauben zu bezeugen,` dann macht davon Gebrauch. Eure Worte sollen immer freundlich und mit dem Salz ´der Weisheit` gewürzt sein. Dann werdet ihr es auch verstehen, jedem, ´der mit euch redet,` eine angemessene Antwort zu geben.“
4. Leite von intellektuellen Argumenten hin zum Persönlichen
Wie oben beschrieben, gibt es natürlich auch Konstellationen, wo dein Gegenüber wirklich aus ehrlichem und intellektuellem Interesse die Theodizee-Frage stellt. Nicht um zu provozieren, sondern weil er ehrlich auf der Suche nach Gott ist. Eigentlich ist diese Person offen für den Glauben, aber es ist genau diese Frage, die aktuell das entscheidende Hindernis ist. Vielleicht sagt dein Gesprächspartner sogar: „Wenn es darauf eine befriedigende Antwort gäbe, dann wäre ich bereit, Christ zu werden.“ Wie kannst du also reagieren? Was kannst du weitergeben?
Auch in diesem Fall gelten zunächst die bereits beschriebenen Grundsätze – sie sind sogar besonders wichtig: Investiere vor allem in die Beziehung. Frage gezielt nach, an welchem Punkt dein Gesprächspartner steht, und antworte dann zielgerichtet – ohne in ausschweifenden Monologen zu predigen. Es kann dabei durchaus dran sein, gemeinsam mit deinem Gegenüber rationale und intellektuelle Argumente zu durchdenken. Doch kann es auch hier ein gutes Ziel sein, das Gespräch bzw. den weiteren Kontakt auf eine persönliche Ebene zu holen.
Hilfreich ist dabei natürlich, wenn du auch selbst ein gewisses Hintergrundwissen mitbringst und gute Quellen kennst: Natürlich ist die Bibel eine erste, ganz wesentliche Quelle, um sich mit der Theodizee-Frage zu beschäftigen. Hier eine kleine Liste mit verschiedenen Bibelstellen, die biblische Aussagen zur Theodizee-Frage enthalten:
Liste: Bibelstellen zur Frage nach dem Leid

Bibelstellen zur Ursache von Leid
- Genesis 3,16–19: Leid (Schmerz, Mühsal, Tod) ist eine direkte Konsequenz des menschlichen Ungehorsams (Sündenfall) und der Trennung von Gott.
- Römer 5,12: Durch Adams Sünde kamen Leid und Sterblichkeit universell in die Welt.
- Galater 6,7–8: Was der Mensch sät, das wird er ernten – Leid kann eine Folge eigener schlechter Entscheidungen sein. Daraus ist nicht zu schließen, dass jedes Leid unmittelbar Folge einer konkreten Sünde ist.
- Hiob 1,13–19: Leid kann unverschuldet sein, zugelassen von Gott. Es obliegt Gottes Souveränität, so zu entscheiden.
- Johannes 9,1–3: Nicht jedes Leid ist direkte Strafe für Sünde; es kann dazu dienen, Gottes Werke sichtbar zu machen.
Bibelstellen zum Umgang mit Leid
- Römer 5,3–5: Leid führt zu Ausharren, Bewährung und Hoffnung – ein Prozess des geistlichen Wachstums.
- Jakobus 1,2–4: Prüfungen sind Gelegenheiten zur Freude, da sie Geduld und Charakter entwickeln.
- Psalm 23,4: Gottes Gegenwart spendet Trost und Sicherheit, selbst im tiefsten Leid.
- Philipper 4,6–7: Sorgen sollen im Gebet vor Gott gebracht werden, was zu seinem Frieden führt.
- 2. Korinther 1,3–4: Leid macht mich fähig, den Gott des Trostes kennenzulernen, und erfahrenes Leid befähigt, diesen Trost an andere weiterzugeben.
- Galater 6,2: Christen sind aufgerufen, einander im Leid beizustehen und Lasten zu tragen.
Gottes Antwort auf Leid
- Jesaja 63,9: Gott ist nicht distanziert, sondern teilt die Bedrängnis seines Volkes.
- Hebräer 4,15: Jesus Christus versteht unser Leid aus eigener Erfahrung und ist uns nahe.
- Johannes 3,16: Gottes ultimative Antwort auf Leid ist die Erlösung durch Jesus Christus, die ewiges Leben schenkt.
- Johannes 1,29 und 2. Korinther 5,21: Das größte Leid bzw. die größte Ungerechtigkeit hat Jesus selbst am Kreuz erlitten. Das tat er freiwillig, um uns von Schuld und jeglichem Leid zu befreien.
- Römer 8: Dieses ewige Leben beginnt für Kinder Gottes einerseits schon jetzt, andererseits liegt seine endgültige Erfüllung in der Zukunft. Deshalb erleben auch Kinder Gottes noch Leid, aber verbunden mit einer klaren Hoffnung bzw. Zukunftsperspektive:
- Offenbarung 21,4: In der neuen Schöpfung wird Gott alle Tränen abwischen und Leid, Schmerz und Tod endgültig beseitigen.
- 1. Petrus 1,6–7: Gegenwärtiges Leid ist zeitlich begrenzt und dient der Läuterung des Glaubens im Hinblick auf die zukünftige Herrlichkeit.
Ist dein Gegenüber noch nicht dazu offen für das gemeinsame Bibellesen, könntest du auch anbieten, gemeinsam ein Zeugnisvideo zu schauen, um so weiter ins Gespräch zu kommen. In dieser Playlist findest du verschiedene Beispiele:
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Mehr InformationenRede nicht nur über Gott, sondern mit ihm
Ein letzter ganz wesentlicher Punkt im Umgang mit der Theodizee-Frage ist, Gott gezielt mit ins Boot zu holen. Es mag uns Überwindung kosten, mit Menschen zu beten, die keine lebendige Beziehung zu Jesus haben. In Bezug auf die Theodizee-Frage mag dies besonders der Fall sein, wenn unser Gegenüber vor allem auf der rationalen Ebene diskutieren möchte. Doch wenn du merkst, dass dein Gegenüber aus ehrlichen Gründen fragt und nicht nur um zu provozieren, kann ein laut ausgesprochenes Gebet für ihn eine entscheidende Erfahrung sein. Natürlich solltest du deinen Gesprächspartner damit nicht überrumpeln. Aber im passenden Moment spricht nichts dagegen, nachzufragen. Etwa so: „Ich merke, dass dich diese Frage wirklich beschäftigt. Das verstehe ich gut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir Jesus ganz direkt bitten dürfen, dass er uns Weisheit und Verständnis für etwas schenkt, das wir aktuell noch nicht verstehen. Schon öfter hat er mir dann in den Tagen danach wirklich neue Einsichten geschenkt. Bist du damit einverstanden, dass ich jetzt laut für dich bete?“

© Titelbild: unsplash.com/Aarón Blanco Tejedor