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Kennst du das, wenn du mit Menschen über Gott reden möchtest und gefühlt einfach nur gegen eine Wand läufst? Vielleicht erinnerst du dich an Gespräche, in denen dein Gegenüber dir deutlich gezeigt hat, dass es nicht das geringste Interesse daran hat, überhaupt über dieses Thema zu reden. Oder vielleicht war der andere zwar offen, grundsätzlich darüber zu sprechen, hat aber sofort abgeblockt, als es um sein eigenes Verhältnis zu Gott und somit um das Evangelium ging. Ganz oft passiert es auch, dass aus einem Gespräch eine Diskussion wird und beide am Ende frustriert auseinandergehen.
Wenn es häufiger zu solchen Begegnungen kommt, machen sich schnell Zweifel breit: Habe ich etwas falsch gemacht? Lohnt sich Evangelisation überhaupt, wenn niemand von Jesus hören will?
Natürlich lässt sich nicht ausschließen, dass du manches hättest besser machen können. Aber gehen wir mal davon aus, dass das nicht der Fall war. Wir vergessen nämlich oft: Menschen haben ganz unterschiedliche Gründe, weshalb sie kein Interesse am Evangelium haben. Und nicht jeder, der für die christliche Wahrheit verschlossen scheint, ist es auch wirklich. Manche zeigen ihre Offenheit nicht. Manchmal reden Menschen freiheraus über das, was sie vom Glauben an Gott abhält. Oft aber lassen sich ihre Überzeugungen eher an versteckten Äußerungen oder Fragen festmachen.
Es geht jedoch nicht nur darum, die gedanklichen Hürden zu kennen, sondern auch darauf antworten zu können. Es ist leider nicht möglich, bei jedem Grund ausführlich darauf einzugehen, wie du reagieren kannst – bei den meisten ließe sich ein eigener Blogartikel dazu schreiben. Nichtsdestotrotz findest du in diesem Artikel diverse spezifische Ansatzpunkte, wie du einzelnen Gründen begegnen kannst. Am Ende gebe ich dir außerdem sieben allgemeinere Tipps, die mir selbst dabei helfen, konstruktive Glaubensgespräche zu führen. Los geht’s!
1. Kirchenskandale und eigene schlechte Erfahrungen
Wenn ich auf der Straße mit Menschen ins Gespräch über verschiedene Weltanschauungen komme, höre ich eine Aussage immer wieder: „Ich war mal in der Kirche, aber weißt du, das mit den ganzen Kirchenskandalen …“ Bis zu einem gewissen Grad kann ich durchaus verstehen, dass solches Fehlverhalten von „Christen“ Menschen davon abhält, sich ernsthaft mit den christlichen Glaubensinhalten auseinanderzusetzen.
Sexualdelikte sollte es an sich schon nicht geben, erst recht nicht in der Kirche. Darüber hinaus haben die Verantwortlichen sie vertuscht. Manch einer ist als Außenstehender darüber empört, andere sind selbst als Opfer betroffen oder kennen jemanden, der zum Opfer geworden ist. Schlechte Erfahrungen können auch Machtmissbrauch oder körperlichen und emotionalen Missbrauch einschließen. Wen wundert es, wenn Menschen nichts mit Christus zu tun haben wollen, wenn viele sogenannte „Christen“ mit dem Mund Jesus bezeugen, mit ihren Taten aber den Teufel?
Manche Menschen wenden sich auch vom Glauben ab, weil ihre Gemeinde sich treu an Gottes Wort hält und nicht dem Zeitgeist folgt und sie vielleicht sogar aufgrund unbiblischer ethischer Überzeugungen aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden.

Auch die Kreuzzüge und die Hexenverfolgung sind beliebte Argumente, um sich gegen den christlichen Glauben zu wenden. Aber meistens erscheint mir diese Kritik eher wie ein künstlicher Schutzschild. In der Regel bewegt es meine Gesprächspartner nicht wirklich, was damals geschah, aber es scheint für sie ein gutes Mittel zu sein, um sich nicht mit Jesus auseinandersetzen zu müssen.
Und welches Bild vermittelt Social Media vom christlichen Glauben? Geldraubende Wohlstands-Evangelisten, falsche Heilungsversprechen und falsche Prophetien (man denke nur an „Pastor“ Joshua Mhlakela, der die Wiederkunft von Jesus für 2025 angekündigt hatte).
Böses Verhalten, niederträchtige Motive, Irrtümer und Heuchelei – das alles ist abschreckend, ohne Frage.
Der Fehler liegt nicht im christlichen Glauben selbst. Er begründet sogar die Empörung über das Böse. Aber er bleibt dabei nicht stehen, sondert bietet in Jesus die Lösung.
Im Gespräch hilft es nicht, diesen Anschuldigungen zu widersprechen oder Böses zu bagatellisieren. Wir können und sollten aber darauf hinweisen, dass der Fehler nicht im christlichen Glauben selbst liegt. Ganz im Gegenteil, der christliche Glaube unterstützt und begründet diese Empörung über das Böse überhaupt erst. Und er bleibt auch nicht bei der Empörung stehen, sondern weist auf die Lösung hin: Jesus.
Und das ist ein zweiter wichtiger Punkt: Diese realen Erlebnisse sind kein Argument gegen die Wahrhaftigkeit des christlichen Glaubens. So wichtig es ist, dass Menschen, die sich Christen nennen, auch entsprechend leben – letztlich zählt, ob Jesus wirklich menschgewordener Gott ist, der für unsere Sünden gestorben und von den Toten auferstanden ist.
2. Ethische Überzeugungen
Ein weiterer Grund, weshalb sich heutzutage viele Menschen dem christlichen Glauben gegenüber verschließen, ist, dass sie andere ethische Überzeugungen haben. Wenn ein Begriff in unserer Gesellschaft großgeschrieben wird, ist es der der Toleranz. Selbstverständlich nur so lange, bis jemand liberalen Werten widerspricht. Allen voran dem „Recht“ auf Abtreibung und einer zügellosen Sexualmoral. Weitere Brennpunkte sind natürlich die Rolle der Frau und biblische Familienstrukturen.
Manche dieser Menschen weisen den christlichen Glauben (scheinbar) vollkommen ab. Viele haben aber immer noch eine gewisse Sympathie für den christlichen Glauben. Um sich aus diesem Dilemma zu befreien, wenden sie sich in der Folge vom bibeltreuen Glauben ab und basteln sich eine eigene Version, der sie dann das Label „christlich“ aufkleben.
Im Gespräch ist es daher oft hilfreich, darauf einzugehen, dass die Bibel und ihre „problematischen“ Lehren von Jesus selbst gelehrt wurden. So attraktiv ein liberaler Glaube für viele scheinen mag: Jesus war nicht liberal, als er am Kreuz starb. Er sah die Tora nicht als Menschenwerk an, das nicht mehr zeitgemäß war. Er sah Sünde nicht als Instrument der Unterdrückung an, das von der Kirche erfunden wurde. Er ließ sich an unserer statt nach den Maßstäben einer unwiderruflichen göttlichen Gerechtigkeit richten.
Gespräche, in denen ethische Überzeugungen zur Diskussion stehen, können schnell in Streitereien ausarten, die niemanden weiterbringen. Dann ist es wichtig, ruhig zu bleiben. Wenn einer von euch wütend wird, „verlierst“ du. Der Evangelist Greg Koukl schreibt in seinem Buch Tactics zur Gesprächsführung bei Glaubensgesprächen:
„Wenn du wütend wirst, wirkst du streitsüchtig. Du wirst laut. … Vielleicht fällst du ihm ins Wort … Das sind nicht nur schlechte Manieren. Es entsteht auch der Eindruck, dass deine Überzeugungen doch nicht so gut sind, wie du gedacht hast, und du dazu übergehen musst, ihn zu unterbrechen und einzuschüchtern, um dich durchzusetzen. … Aber was, wenn du dich beherrschst und der andere wütend wird? Auch in diesem Fall verlierst du. Menschen, die wütend sind, gehen in Verteidigungshaltung und Menschen in Verteidigungshaltung sind in keiner guten Position, um darüber nachzudenken, ob deine Überzeugungen ansprechend sind. Sie sind zu beschäftigt damit, ihr eigenes Gebiet zu verteidigen, als sich mit der Stärke der gegensätzlichen Überzeugung auseinanderzusetzen.“
Greg Koukl
Zu Beginn dieses Abschnitts habe ich die sarkastische Bemerkung gemacht, dass Toleranz bei christlichen Werten endet. Ich kann mir vorstellen, dass dir dieses Phänomen nicht unbekannt ist. Dem zu begegnen, ist nicht immer leicht. Mir fällt es schwer, richtig zu reagieren, wenn mir jemand ins Gesicht sagt, ich sei intolerant, bigott, menschenfeindlich … Und da möchte ich dich ermutigen: Die Forderung nach Toleranz (lat. tolerare: ertragen, erdulden, aushalten) geht in beide Richtungen. Dein Gesprächspartner hat das gute Recht, Toleranz von dir zu fordern – jedoch nur, wenn er bereit ist, dir dieselbe Toleranz zu erweisen. Darauf kannst du ihn freundlich, aber bestimmt hinweisen.
3. Leiderfahrungen
Der dritte Grund fordert mich immer wieder neu heraus, weil er einer deutlich sensibleren Reaktion bedarf, als ich zu zeigen tendiere: nämlich die Frage, wie Gott Leid zulassen kann. Viel zu schnell bin ich dabei (und du vielleicht auch?), eine zufriedenstellende Erklärung abliefern zu wollen.

Die Bibel bietet uns einige Ansätze, um zu verstehen, warum es Leid an sich gibt sowie Leid in bestimmten Einzelfällen. Aber sie betont dennoch 3 wesentliche Schlussfolgerungen:
- Diese Frage übersteigt unser Denkvermögen (Prediger 8,17)
- Gott ist uns in seinem Handeln keine Rechenschaft schuldig
- Wir dürfen aber daran festhalten, dass er liebevoll und gerecht ist.
Der Punkt ist an dieser Stelle aber nicht einmal, was der richtige oder beste Erklärungsansatz ist. Sondern: Nicht jeder, der die Frage stellt, will eine apologetische Antwort darauf. Manch einer braucht viel eher eine seelsorgerliche Antwort.
Eigenes Leid oder Leiderfahrungen im unmittelbaren Verwandten- und Bekanntenkreis sind ein reales Hindernis. Wenn die erhoffte (oder von gutmeinenden Christen falsch versprochene) Gebetserhörung ausbleibt, kommen Menschen ehrlich ins Zweifeln.
Vielleicht finden wir im Gespräch heraus, ob die Leidfrage eine tatsächliche persönliche Hürde für unseren Gesprächspartner ist, eine philosophische Überlegung oder eher eine plakative Schutzbehauptung, wie sie oben schon angesprochen wurde.
Wenn jemand ein ehrliches Interesse an einer philosophischen, theologischen, apologetischen Antwort hat – tauscht euch darüber aus. Aber dem wirklich Leidbetroffenen werden philosophische Erörterungen kaum helfen. Hier ist es hilfreicher, wenn du von eigenen Leiderfahrungen erzählst und wie der eigene Weg mit Jesus da herausgeführt hat.
Es lohnt sich also zu fragen: „Warum beschäftigt dich gerade dieses Thema?“ Und dann die Antwort entsprechend anzupassen. Jemandem, der mit seiner Frage nur provozieren will, kannst du damit vielleicht auch etwas Wind aus den Segeln nehmen.
4. Ein falsches Gottesbild
Wie lernen wir Gott kennen? Natürlich in seinem Wort, der Bibel. Es ist also nicht verwunderlich, dass Menschen ein falsches Gottesbild entwickeln, wenn sie sich nicht betend mit seiner Selbstvorstellung beschäftigen. Welcher Art so ein falsches Gottesbild ist, ist ganz unterschiedlich:
„Gott schickt gute Menschen in die Hölle.“
„Gott verbietet alles, was Spaß macht.“
„Gott ist grausam, weil Jesus sterben musste.“
„Gott ist unberechenbar und jähzornig, schau dir nur mal das Alte Testament an.“
„Gott schickt gar niemanden in die Hölle.“
„Gott ist ein guter Opi im Himmel, der lieb bzw. irrelevant ist.“
„Gott ist wie ein Uhrmacher: Er hat uns geschaffen, aber überlässt die Welt sich selbst.“
Je nachdem, welches Bild jemand von Gott hat, begründet sich seine Verschlossenheit gegenüber dem Glauben anders. Der eine will mit „so einem“ Gott nichts zu tun haben. Der andere sieht nicht die Notwendigkeit, zu Gott umzukehren und eine Beziehung zu Jesus zu suchen.
Einerseits kannst du ein falsches Gottesbild ansprechen und versuchen zu korrigieren. Das fruchtet aber nicht immer, weil der andere meinen kann, dass es sich ja nur um dein eigenes Gottesbild handelt. Wie wäre es, wenn du ihn stattdessen einlädst, mit dir in der Bibel zu lesen und gemeinsam herauszufinden, wie Gott wirklich ist?
Dafür lege ich dir unsere kostenfreie Lesehilfe Das Wort -gemeinsam lesen für das evangelistische Bibellesen ans Herz. Wie der Name schon sagt, erleichtert es euch das gemeinsame Bibellesen, indem es auch Schritt für Schritt durch den Prozess führt.

5. Relativierung von Wahrheit
Der postmoderne Mensch ist durch die Überzeugung geprägt, dass Wahrheit relativ ist. Niemand darf Wahrheit exklusiv für sich beanspruchen. Sogar miteinander konkurrierende Wahrheiten kann man tolerant nebeneinander stehen lassen. Für diejenigen, die der gesellschaftstauglichen Toleranz entsprechend leben wollen, ist dieses Statement daher eine echte Herausforderung: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater als nur durch mich!“ (Johannes 14,6).
Viele Menschen finden es schlichtweg unverschämt, dass Christen behaupten, der Glaube an Jesus sei die einzige Wahrheit. Es passt nicht zu ihrem Verständnis von Toleranz. Immerhin könnte das unsere muslimischen, buddhistischen, taoistischen … Mitbürger verletzen!
Der Absolutheitsanspruch der Bibel stellt für viele Leute ein echtes Hindernis dar. Mit Sicherheit gibt es in dieser Fraktion einige Militante, die einfach gegen den christlichen Glauben hetzen wollen und dafür jedes mögliche Argument nutzen. Ich würde jedoch behaupten, dass die meisten Leute wohlmeinend, eingeschüchtert und unreflektiert sind:
Klar will man seinen andersgläubigen Freund nicht vor den Kopf stoßen. Klar will man nicht das Label „intolerant“ aufgedrückt bekommen. Das ist an sich nicht verwerflich.
Das Problem ist, dass dabei der gesunde Menschenverstand und die Wahrheitsliebe geopfert werden. Wie oft höre ich in Gesprächen:
„Es gibt keine absolute Wahrheit!“ (Und das ist die absolute Wahrheit!)
„Wir können nicht wissen, was wahr ist.“ (Und das wissen wir ohne Zweifel!)
„Alle Religionen haben recht.“ (Sie widersprechen sich zwar, aber wen interessieren schon solche Lappalien?)
„Es ist intolerant und verletzend, auf seiner Wahrheit zu bestehen!“ (Außer, wenn ich es tue.)
Satan verbreitet diese seine Lügen heutzutage sicher nicht ausschließlich, aber sehr stark über Social Media und die Medien. Dort sind die „Toleranz!“-schreienden intoleranten Stimmungsmacher nämlich besonders laut und die Atmosphäre besonders aufgeheizt und emotional. Jeder kann jederzeit gecancelt werden. Ein Hasskommentar ist schnell gepostet. – Der Druck, sich zu fügen, ist real. Und gut klingende Statements sind schneller nachgeplappert als gründlich hinterfragt.
Dass letztlich jede Weltanschauung, ob atheistisch oder theistisch, für sich in Anspruch nimmt, die Wahrheit zu sein, wird zugunsten der Toleranz gekonnt ignoriert. Außer natürlich, wenn die Christen den Mund aufmachen. Das sage ich nicht aus Selbstmitleid – vielmehr müssen wir uns bewusst sein, dass wir uns in einem realen geistlichen Kampf befinden. Satan bestärkt jeden Glauben, der nicht Gott anbetet. Welchen Namen dieser Glaube trägt – Islam, Toleranz, subjektive Wahrheit – ist dabei irrelevant.
6. Desinteresse
Nicht jeder Nichtchrist lehnt den christlichen Glauben zähnefletschend ab. Viele Menschen haben sich einfach nie oder schon lange nicht mehr bewusst damit beschäftigt. Sie haben das Interesse an Gott verloren und vergessen, dass es dieses überhaupt einmal gab. Die Wissenschaft scheint den Glauben ausgemerzt zu haben. Der Kirchenbesuch wurde durch die Gemeinschaft im Sportverein ersetzt.

Unglaube ist zur neuen Normalität geworden. Rechtfertigen muss sich, wer glaubt, und nicht mehr, wer es nicht tut.
Die säkulare Gottlosigkeit hinterlässt ein Vakuum. Die großen Fragen des Lebens bleiben unbeantwortet.
Wer darüber Unbehagen und eine nagende Unzufriedenheit empfindet, sucht Antworten – nur eben nicht (mehr) in der Bibel. Andere Neugier erweckende Angebote wie New Age, Manifestation usw. erfreuen sich durchaus großer Beliebtheit. Nur die Bibel, der christliche Glaube erscheint vielen nicht einmal mehr als eine mögliche, sinnvolle Alternative.
Aber es suchen auch nicht alle Menschen nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Manche geben sich mit einem Fazit à la „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ zufrieden. Andere fänden es zwar interessant, eine Antwort zu haben. Gleichzeitig sehen sie die Fragen aber nicht als so dringlich an, dass sie ihre Zeit in die Suche nach Antworten investieren würden. Begünstigt wird diese Haltung durch den uns allzu vertrauten Zeitdruck und die modernen Prioritäten des Konsums, der Karriere und der Selbstverwirklichung.
7. Intellektuelle Arroganz
Die Schwester von Desinteresse heißt intellektuelle Arroganz. Die Argumente sind teils ähnlich, die Emotionalität hat aber sehr oft ein für das Gespräch destruktives Level. Die übliche Aussage lautet hier: „Glauben heißt nicht wissen.“
Der Irrglaube, der christliche Glaube sei überholt, unsinnig usw. hat sich in unserer säkularen Gesellschaft inzwischen gut etabliert. Die Annahmen, dass a) Wissenschaft und Glaube gegensätzlich sind und b) Darwins Theorie bewiesen und die Bibel damit widerlegt ist, gelten als anerkannte Wahrheit. Gott als Autor des Moralgesetzes wurde durch den gesunden Menschenverstand ersetzt. Die Bibel ist angeblich ein menschengemachtes Märchenbuch voller Unstimmigkeiten. Wundererzählungen werden als grundsätzlich unglaubwürdig und „unwissenschaftlich“ abgetan. Und so weiter.
Natürlich gibt es kluge Menschen, die sich mit den intellektuellen Argumenten für Gott auseinandergesetzt haben und nicht davon überzeugt sind – wie etwa der bekannte Internet-Atheist Alex O’Connor. Und es gibt auch durchaus Skeptiker, die sich bewusst mit den Argumenten von O’Connor und dergleichen beschäftigt haben, sie überzeugend finden und jetzt wiederholen. Das ist ihr gutes Recht, auch wenn ich persönlich es nicht nachvollziehen kann.
Meiner Erfahrung nach bilden diese Menschen jedoch die Ausnahme. Die meisten „intellektuellen“ Glaubensgegner, mit denen ich rede, plappern Argumente nach, auf die sie online gestoßen sind. Unreflektiert, aber laut. Halbwissen mischt sich mit Leidenschaft. Vielleicht kommt sogar noch ein bisschen Religionshass dazu. Als Christin werde ich mit überlegender Herablassung als Gläubige eines Ammenmärchens bemitleidet. Deshalb nenne ich diesen Punkt auch intellektuelle Arroganz und nicht intellektuelle Skepsis, wie sie etwa Alex O’Connor an den Tag legt.
Wenn wir mit diesen Menschen über den Glauben reden, ist Vorsicht geboten. Denn wie leicht werden wir ihr christliches Pendant! Kennen wir unsere eigenen Argumente tatsächlich gut oder plappern wir gut klingende Erklärungen nach? Neigen wir selbst zu derselben Arroganz gegenüber unserem Gesprächspartner, der „ja keine Ahnung hat, wie falsch er liegt“?
8. Zweifel an der Bibel
Auch kein seltenes Argument gegen den christlichen Glauben, das ich zu hören bekomme, ist eine Version von „Die Bibel ist eine geschriebene Form von Flüsterpost und jeder weiß ja, dass die Botschaft da am Ende völlig verändert ankommt!“ Wenn ich solche Aussagen höre, freue ich mich – weil ich mich mit der Thematik auseinandergesetzt habe und sie einer der Gründe ist, warum ich überzeugte Christin bin.

Wir (und ich zuallererst!) müssen vorsichtig sein, dass wir nicht herablassend über Skeptiker denken. Es stimmt, viele Menschen wiederholen Statements von TikTok-Theologen, ohne sie zu hinterfragen. Aber es gibt auch eine beachtliche Anzahl von Leuten, die sich zumindest oberflächlich mit der Glaubwürdigkeit der Bibel beschäftigt haben.
Wenn ihre Hauptquellen – meist skeptische Intellektuelle und Theologiestudenten aus dem Bekanntenkreis – mit der postmodernen Grundannahme übereinstimmen, dass die Bibel unglaubwürdig ist, endet die Suche meistens. Mit prochristlichen Bibelforschern beschäftigen sie sich selten eingehend, sodass die historischen Quellen insbesondere zu den Hintergründen des Neuen Testaments oft völlig unbekannt sind. Und so bestimmt Halbwissen wieder einmal die Überzeugungen.
Erfreulicherweise stelle ich jedoch bei solchen Gesprächspartnern meist eine hohe Bereitschaft fest, nähere Informationen zu erhalten. Wenn ich sage: „Wusstest du, dass die Bibel als historisches Dokument tatsächlich richtig gut belegt ist?“, schlägt mir selten entschiedene Ablehnung entgegen.
„Oh wirklich?“ – „Das ist ja interessant!“ – „Das wusste ich nicht!“ Das sind die Reaktionen, die ich meistens bekomme, wenn ich über die Historizität der Evangelien und die rationalen Argumente für die Auferstehung rede. Du musst kein Manuskriptexperte sein (das bin ich auch nicht!), um etwas Licht ins Dunkel bringen zu können. Aber wenn du nicht nur „Stimmt nicht!“, sondern „Stimmt nicht, weil …“ sagen kannst, ist das ein enormer Gewinn für das Gespräch!
Als leicht verständliche, aber tiefgreifende Lektüre empfehle ich Der Fall Jesus von Lee Strobel. Strobel war investigativer Journalist und überzeugter Atheist. In den 1980er Jahren versuchte er, die Auferstehung von Jesus zu widerlegen und wurde im Zuge dessen Christ. Im Buch gibt er seine Rechercheerlebnisse und -ergebnisse wieder. Dazu gibt es übrigens auch einen spannenden Spielfilm.
9. Zweifel an Gottes Notwendigkeit
Auch unter diesem Titel lassen sich mehrere eigenständige, aber miteinander verwandte Überzeugungen zusammenfassen, die eine Hürde auf dem Weg zu Jesus darstellen. Begünstigt werden diese vor allem durch die Lehre liberaler Kirchen: Viele Menschen missverstehen den christlichen Glauben insofern, dass es angeblich nur darum geht, ein guter Mensch zu sein und soziale Gerechtigkeit zu fördern.
Und dafür muss man kein Christ sein, so das Argument. Es stimmt natürlich, dass sich viele von uns Christen eine Scheibe von manchem Atheisten abschneiden können. Insofern ist das Argument berechtigt. Gleichzeitig sind vielen Menschen zwei wichtige Punkte vermutlich nicht bewusst:
Zum einen bewirkt Gott echte Herzensveränderung und nicht nur Handlungsveränderung. Sowohl die Motivation als auch die Befähigung zu einem guten, ethischen Leben ist anders als bei Nichtchristen.
Zweitens geht es bei Gott nicht um gute Werke an sich, sondern um eine persönliche Beziehung zu ihm als Herrn und Vater.
Ein zweiter Aspekt im Bereich Werksgerechtigkeit ist, dass es vielen Menschen an einer grundlegenden Sündenerkenntnis fehlt.
Früher war es noch normal, zur Kirche zu gehen und das Evangelium zu hören – ob man es nun verstand und für sich annahm oder nicht – doch heute ist das anders. Es gibt viele Menschen, die noch nie das Evangelium gehört haben. Gerade in Ostdeutschland gibt es, auch durch die DDR-Zeiten begründet und gefördert, Familien, die in zweiter, dritter, vierter Generation atheistisch sind. Man möchte es kaum meinen, aber auch in Deutschland gibt es Menschen, die den Namen Jesus noch nie gehört haben.

Aber selbst, wenn das der Fall ist: Für viele geht es darum, „gut“ zu leben. Sie haben jedoch einen anderen Standard dafür, was gut ist. Wenn man sich mit Hitler vergleicht und nicht mit Gott, ist es nicht verwunderlich, dass sich viele für gute Menschen halten. Und dann ist Gott überflüssig. Die Perspektive, „wofür ich Gott brauche“, fehlt oft komplett.
Gott geht es nicht um gute Werke an sich, sondern um eine persönliche Beziehung zu ihm als Herrn und Vater.
Eher mit dem Aspekt „Wofür brauche ich Gott?“ als dem der Werkgerechtigkeit verwandt, ist auch folgendes Argument: „Ich bin doch glücklich.“ Nicht jeder erlebt Trauma, Armut, Leid. Viele sind dank der allgemeinen Gnade Gottes mit einem vergleichsweise glücklichen Leben gesegnet. Gleichzeitig spielt natürlich die gottlose Geisteswelt eine Rolle: Ruhm, Glanz und Glück lenken Menschen von Gott ab. Für sie ist Gott scheinbar unnötig, nicht nur, weil sie das essentielle Problem (ihre Sünde) nicht erkennen. Sondern auch, weil sie nicht wissen, was das echte Leben, der echte Friede und die echte Freude ist, die nur in Jesus zu finden ist.
Ein schwacher Vergleich: Wer immer nur Instant-Nudelsuppe gegessen hat, weiß nicht, was ihm entgeht, wenn er noch nie echte japanische Ramen-Suppe genossen hat. Viele sind zufrieden mit der scheinbaren Erfüllung, die ihnen Geld, Beziehungen, Reisen usw. bieten. Vielleicht, weil sie keine Christen kennen, die ein wahrhaft erfülltes Leben führen. Vielleicht, weil sie sich selbst betrügen.
Gleichzeitig ist genau das ein Punkt, der viele Menschen für Gott öffnet: Weil sie eben doch erkennen, dass es mehr geben muss als das, was sie bereits erleben. Ich liebe die Äußerung von C. S. Lewis, die in diesem Zusammenhang oft zitiert wird: „Wenn wir einen Wunsch verspüren, den nichts auf dieser Welt befriedigen kann, ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass wir für eine andere Welt geschaffen sind.“
10. Stolz
Ein besonders wichtiger Grund, weshalb Menschen den Glauben ablehnen, ist Stolz. Anders als intellektuelle Hindernisse lässt er sich nicht so leicht überwinden, da es eben nicht um gute Argumente, sondern ums Herz geht.
Stolz und das Evangelium passen nicht zusammen. Nicht umsonst heißt es in Epheser 2,8–9: „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch – Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme.“
Stolz kann einerseits mit dem Gutmenschenglauben zusammenhängen: Die Überzeugung ist, dass vermutlich die ganze Menschheit, auf jeden Fall aber man selbst, gut ist. Wie das mit dem zusammenpasst, was wir täglich in den Nachrichten sehen, kann meist nicht erklärt werden. Für viele Menschen ist der Gedanke, einen Retter zu brauchen, nicht nur eine Beleidigung – er ist eine Demütigung.

Es gibt aber auch noch eine andere Art des Stolzes, die Menschen davon abhält, Jesus als ihren Retter anzunehmen. Sie ist in einem Satz zusammenzufassen: „Was ich verbockt habe, löffle ich selbst wieder aus.“
Wie kannst du reagieren, wenn dein Gegenüber Gott aus Stolz ablehnt? Gebet. Anhaltendes Gebet. Das mag beizeiten mühsam sein, aber nur Gott kann ein stolzes Herz weich und demütig machen. Ich weiß, wie herausfordernd es ist, anhaltend zu beten, insbesondere wenn Stolz, der stabil wie eine Betonmauer ist, das Herz umschließt. Deshalb möchte ich dich mit dem ermutigen, was ich in diesen Tagen erlebe:
Seit etwa acht Jahren bete ich für einen guten, aber sehr stolzen Freund. In den letzten Monaten war ich besonders frustriert, weil er sich seit Beginn unserer Freundschaft keinen Zentimeter auf Gott zuzubewegen schien. Doch dann schrieb er mir plötzlich vor Kurzem: „Ich versuche jetzt mehr als früher, Jesus nachzufolgen. Ich versuche mir, mehr Zeit für Gott zu nehmen und zu beten, um herauszufinden, wer ich bin.“ Was Gott wohl alles an seinem Herz tun wird, wenn ich weitere acht Jahre für ihn bete?
11. Verweigerung der notwendigen Lebensumkehr
Eine Art Gegenstück zur fehlenden Sündenerkenntnis ist die Erkenntnis, dass eine Bekehrung notwendigerweise auch Veränderung bedeutet. Also Buße im eigentlichen Sinn. Der griechische Begriff für Buße, metanoia, steht für „eine tiefgreifende Umkehr des Denkens“ – eine Abkehr von der Sünde und die Hinwendung zu Gott. Diese Umkehr führt zu einer veränderten Lebensweise.
Für viele Menschen ist das Bild von Gott als einem Vater und Jesus als einem guten Freund vollkommen gut und akzeptabel. So einen Gott lieben sie. Und viele haben dieses Gottesbild im Kopf, wenn sie sagen: „Ich glaube auch an Gott!“
Dass Jesus aber nicht nur unser Buddy sein will, sondern den Anspruch an uns hat, unser Herr und Meister zu sein, ist für viele unangenehm.
So unerfüllt, verletzt und verletzend uns ein sündiges Leben auch zurücklässt – die Sünde hat einen scheinbaren Charme, die uns in ihren Bann zieht. Selbstbestimmung. Selbstentfaltung. Stolz. Selbstgerechtigkeit. Und die immerwährende Frage, die Satan uns Menschen einflüstert: „Glaubst du wirklich, dass Gott es gut mit dir meint? Du weißt doch selbst viel besser, wie du erfüllt leben kannst!“ Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass sie Sklaven der Sünde sind und keine Nutznießer. Damit verbunden ist ihnen auch nicht klar, was für eine Freiheit es bedeutet, stattdessen Diener Gottes zu werden.
Auch hier erreichen Argumente meistens wenig. Stattdessen zählt das Gebet. Und du kannst versuchen, eine Sehnsucht nach einem Leben mit Jesus zu wecken, in dem du erzählst, wie du selbst erlebt hast, welchen Segen die Buße eigentlich bedeutet.
12. Angst vor Konsequenzen
Jesus hat seinen Nachfolgern keine Illusionen gemacht: Sie würden um seinetwillen abgelehnt, ausgestoßen und verfolgt werden. Die meisten Nichtchristen kennen diese Bibelstellen vermutlich nicht einmal. Aber sie erleben in ihrem Umfeld, wie über Christen gelästert wird oder manchen Christen sogar noch Schlimmeres passiert. Und so wissen sie: Wenn sie Christen werden, wird ihnen vermutlich Ähnliches widerfahren. Diese Aussicht kann Menschen davon abhalten, Jesus nachzufolgen.

Eine Bemerkung am Rande: Wenn du absolut gar keine Ablehnung aufgrund deines Glaubens erlebst, möchte ich dich ermutigen, dich zu hinterfragen, inwieweit dein Leben Jesus wirklich sichtbar bezeugt. Das sage ich nicht, weil ich mich für besser halte oder deine Wiedergeburt infrage stelle. Sondern weil Jesus vorausgesagt hat, dass Verfolgung alle seiner treuen Nachfolger betreffen wird (Matthäus 10,16–25; 24,9; Lukas 6,22–23; Johannes 15,18–27).
Noch hält sich in unseren Breitengraden die Christenverfolgung in Grenzen. Aber es gibt sie auch bei uns: Manch Teenager, der Jesus nachfolgt, wird zum Mobbingopfer der Klasse. Kollegen tuscheln hinter deinem Rücken oder machen sich am Mittagstisch über deinen Glauben lustig. Einige von uns verlieren gute Freunde, weil wir für die Wahrheit einstehen. Vielleicht wirst du nicht mehr zu Geburtstagspartys eingeladen, weil du nicht mehr cool genug bist. Oder Familienangehörige sind bereit, den Kontakt abzubrechen, weil sie den christlichen Glauben hassen.
Es gibt aber auch eine andere, noch schlimmere Form der Verfolgung – auch hier im deutschsprachigen Raum. Manche Hindus und Buddhisten, auf jeden Fall aber fast alle Muslime haben Verfolgung seitens ihrer Freunde, Familie und Gemeinschaft zu erwarten: Im besten Fall „nur“ der Ausschluss aus der Gruppe, im schlimmsten Fall Körperverletzung oder Tod. Ehrenmorde sind auch heute eine reale Gefahr.
Jesusnachfolge hat unbequeme bis (lebens-)gefährliche Konsequenzen – und nicht jeder ist (schon) bereit dafür. Wenn das der Fall ist, kannst du für Mut beten und deine Unterstützung anbieten.
13. Eine sture Gegenwartsperspektive
Sicher hast du schon den Begriff „YOLO“ („You only live once.“) zu hören bekommen. Viele Menschen leben mit einer sturen Gegenwartsperspektive – das beste Leben heute leben. Häufiger, als ich zählen kann, habe ich zu hören bekommen: „Um Himmel und Hölle kümmere ich mich, wenn ich tot bin.“ Oder: „Was nach dem Tod kommt, kann man eh nicht wissen.“
Die Gründe, weshalb sich Menschen nicht mit der Ewigkeit beschäftigen, sind vielfältig. Manch einer hinterfragt die Äußerung „Wir können nicht wissen, was kommt. Schließlich ist noch niemand von den Toten zurückgekommen!“ nicht. Ein anderer hat ein falsches Gottesbild und/oder hält sich für einen guten Menschen, der sowieso in den Himmel kommen wird. Manch einer hält an der pseudo-wissenschaftlichen Überzeugung fest, dass man nur an das glauben kann, was man sieht, und nach dem Tod alles schwarz sein wird. Wieder anderen widerstrebt der Gedanke, dass Gott Sünde bestrafen muss und sie lehnen deshalb den Glauben an ein Jenseits kategorisch ab. Andere trösten sich mit dem Irrtum, dass wir nach dem Tod noch genug Zeit haben werden, uns um den ewigen Verbleib unserer Seele zu kümmern.
Der Blick ist letztlich stur auf die Gegenwart gerichtet. Über den Tod zu reden, ist in gewisser Weise ein Tabu, das es sich aber lohnt zu durchbrechen. Nicht wenige Christen erzählen, dass es gerade die Frage nach der Ewigkeit war, die sie nachts wachliegen und nach Gott fragen ließ.

Ich bin ein sehr direkter Mensch und stelle meinen Gesprächspartnern gern die Frage: „Was glaubst du, kommt nach dem Tod?“ – und habe, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, noch nie eine abweisende Antwort bekommen. Obwohl der Tod in gewisser Weise ein Tabu ist, finden es die meisten Menschen sehr interessant, sich darüber auszutauschen. Unzählige Male erhielt ich nicht nur eine Erklärung der eigenen Überzeugungen, sondern auch die Rückfrage: „Und was glaubst du?“
Über den Tod zu reden, ist in gewisser Weise ein Tabu, das es sich aber lohnt zu durchbrechen.
Andere Christen bevorzugen vielleicht einen indirekteren Ansatz. Für eine gute Formulierung halte ich etwas, das ich einmal in einem YouTube-Video gehört habe: „We often hear: ‚Life is short – better enjoy it.‘ How about: ‚Eternity is long – better prepare for it.‘“ („Wir hören oft: ‚Das Leben ist kurz – also genieß es.‘ Aber was ist mit: ‚Die Ewigkeit ist lang – bereite dich lieber darauf vor.‘“)
14. Die Hoffnung auf einen anderen Retter
Selbst diejenigen, die den Menschen grundsätzlich für gut halten, sind sich oft bewusst, dass die Welt ein Problem hat. Dass dieses Problem die sündhafte Natur ist und nur Jesus die Lösung dafür bietet, lehnen sie ab. Rettung – sie hoffen darauf und erwarten sie auch. Nur, dass sie eben einen anderen Retter im Blick haben. Dafür gibt es drei typische Kandidaten:
Erstens die Wissenschaft. Der Gedanke ist einerseits, dass die Wissenschaft Gott nicht nur als Schöpfer überflüssig machen wird, sondern auch als Urheber der Moral („Irgendwann wird die Wissenschaft auch die Ethik erklären können.“). Andererseits schwingt die Überzeugung mit, dass die Wissenschaft ein Zeichen des Fortschritts ist, der bis in die Ethik hinreicht. Anders gesagt, je mehr wir wissen, desto moralischer werden wir leben. (Als ob das nicht durch die Kriegsgeschichte zu Genüge widerlegt wäre, aber ok.)
Zweitens die Politik. Sei es der Sozialismus, der Kommunismus, der Liberalismus oder welcher Ismus auch immer – irgendeine politische Richtung, irgendein System wird uns mit Sicherheit in eine glorreiche Zukunft führen! Dann werden alle glücklich und friedvoll miteinander leben, wie der Löwe und das Lamm im neuen Jerusalem. Es liegt nur an den Feinden dieses Systems, dass wir diesen Zustand bisher noch nicht erreicht haben!
Drittens die Menschheit selbst. Der gute alte Humanismus ist heute eine der gängigsten atheistischen Religionen. Auch die Überzeugung, dass sich die Menschheit aus der Vogelperspektive zum Guten entwickelt, haben wir über die letzten paar tausend Jahre eigentlich erfolgreich widerlegt. Aber die Hoffnung bleibt bestehen: Sicher gibt es ein Auf und Ab, ein paar Kriege hier und dort, aber im Großen und Ganzen werden wir doch sicher immer besser! Eines Tages werden wir es schaffen, dass sich Altruismus und Selbstverwirklichung die Hand reichen und alle Probleme beseitigt sind.
Enttäuschung heißt hier die Lösung, im wahrsten Sinne des Wortes: Ent-Täuschung. Sag deinem Gegenüber nicht einfach nur, dass du seine Überzeugung für falsch hältst. Sondern lass deinen Gesprächspartner durch kritisches Nachfragen selbst zur Erkenntnis kommen, wie sehr seine Hoffnung der Realität widerspricht und welche Selbsttäuschung sie darstellt.
15. Etablierte religiöse Überzeugungen
Nicht zu vergessen sind bereits etablierte religiöse Überzeugungen, aufgrund derer sich Menschen der christlichen Wahrheit verschließen. Grundsätzlich würde ich dafür plädieren, auch den naturalistischen Atheismus und Agnostizismus zum Begriff der Religion zu zählen, weil etwas anderes (z. B. die Wissenschaft, Politik, Menschheit, Natur des Menschen …) zum neuen Gott gemacht wird. An dieser Stelle meine ich aber tatsächlich das, was wir üblicherweise als Religion bezeichnen, weil der Atheismus ja schon in einigen der bisher genannten 14 Gründe enthalten ist.

Neben etwa zehn Weltreligionen gibt es Tausende Glaubensgemeinschaften, die sich selbst als Religion bezeichnen. Manche glauben an keinen, einen oder viele Götter – und viele ihrer Anhänger haben nie darüber nachgedacht, ob nicht statt ihrer Überzeugungen der christliche Glaube wahr sein könnte (was umgekehrt übrigens auch bei vielen Christen der Fall ist). Manche sind von Geburt aus Anhänger, egal, ob sie tatsächlich glauben (z. B. Muslime). Manche sind damit aufgewachsen und haben den Glauben nie infrage gestellt. Wieder andere haben sich später im Leben dafür entschieden und sind überzeugte Anhänger. Andere haben Angst, ihren eigenen Glauben zu hinterfragen, weil es in ihrer Religion verboten ist oder sie die Antwort fürchten.
In diesem Fall würde ich dafür plädieren, sich gemeinsam mit der Glaubwürdigkeit beider Religionen zu beschäftigen. Je nachdem, was für ein Typ Mensch der andere ist, bedarf es einer Herausforderung seines Glaubens (offensive Apologetik) oder einer Einladung, deinen Glauben kennenzulernen (z. B. durch Bibellesen) und unter die Lupe zu nehmen (defensive Apologetik).
7 Tipps für zielführende Glaubensgespräche
Die Gründe, weshalb Menschen das Evangelium ablehnen, sind unterschiedlich, genauso die Intensität, mit der sie es tun. Deshalb ist es wichtig, dass du deinen Gesprächspartner kennenlernst. Dann kannst du nämlich tatsächlich hilfreiche Gedankenanstöße oder Antworten geben. Und es ist wichtig, dass du dir immer wieder in Erinnerung rufst: Gott ist es, der rettet – nicht du. Wir sind berufen, Gottes Werkzeuge zu sein. Aber der Retter ist er.
Natürlich müssen die Menschen das Evangelium an sich hören, aber nicht zwangsläufig von dir. Das gilt insbesondere dann, wenn du nur eine Begegnung mit der anderen Person hast. Wenn du häufiger mit dem anderen reden kannst, solltest du irgendwann auch konkret das Evangelium erklären. Aber nicht in jedem Gespräch und auch nicht zwangsläufig in der ersten Unterhaltung.
Wenn du merkst, dass Gott dir im Gespräch eine Tür öffnet – nimm Anlauf und spring mutig durch!
Die Situation kann aber auch eine ganz andere sein:
Stell dir vor, du erzählst dem anderen freudestrahlend, dass Jesus für seine Sünden gestorben ist und er ewiges Leben haben kann … während der andere gar nicht glaubt, dass Jesus überhaupt gelebt hat. Dann kann deine Botschaft noch so gut sein. Entweder, sie wird ignoriert, oder sie stößt auf Ablehnung. Wenn du aber den anderen gut kennst, kannst du anders vorgehen. Indem du erst mit ihm über die Historizität von Jesus und dem Neuen Testament redest, kannst du intellektuelle Barrieren abbauen. Wenn ihr euch dann über das Evangelium austauscht, wird dein Nächster vermutlich viel offener sein.
Der wichtigste Tipp, …
… den ich dir geben kann (abgesehen von Gebet – das ist sowieso die Voraussetzung!), ist deshalb: Hab echtes Interesse an deinem Gegenüber. Lern den anderen kennen, aber nicht als Mittel zum Zweck, sondern aus Liebe. Investiere in eine authentische Beziehung. Das erleichtert Ehrlichkeit und verschafft dir auch das „right to speak“ (also das Recht, Gedankenanstöße zu geben). Außerdem vermeidest du so Missverständnisse und Vorurteile bezüglich seiner Überzeugungen.
Finde Gemeinsamkeiten, …
… die Brücken zwischen euch bauen. Du kannst zum Beispiel zustimmen, dass die Kirchenskandale schrecklich sind und erklären, dass Jesus anders war. Geh vom Gleichen zum Unterschiedlichen: „Ich glaube auch an einen Schöpfergott. Aber ich glaube, er ist anders, als du ihn beschreibst. Darf ich dir davon erzählen?“
Gewinne keine Diskussion, …
… sondern Menschen. Hör zu und warte nicht nur auf die nächste Atempause, in der du antworten kannst. Rede die Wahrheit, aber in Sanftmut. Sei sensibel, was das Herz hinter dem Argument des anderen ist; insbesondere beim Thema Leid oder schlechten Erfahrungen. Trau dich, einem Streithahn (liebevoll!) den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Möchtest du eine Antwort von mir oder möchtest du streiten?“
Stelle gute Fragen, …
… die zum Nachdenken anregen. Das hilft, Missverständnisse zu vermeiden und fordert den anderen heraus, seine Position zu durchdenken. Frag zum Beispiel: „Was meinst du, wenn du ‚Gott‘ sagst?“ Weiterhin kannst du deinem Gegenüber durch gute Fragen „einen Kieselstein in den Schuh legen“, wie es der Apologet und Evangelist Greg Koukl nennt. Etwa: „Woher weißt du, dass das wahr ist?“ oder: „Wenn du A glaubst, wie erklärst du dann B, was im Widerspruch dazu steht?“ Lass dich nicht in eine Position drängen, in der nur du dich für deinen Glauben rechtfertigen musst. Rechtfertigen muss sich immer derjenige, der eine Behauptung aufstellt.

Weise auf das Wesentliche hin, …
… und korrigiere Denkfehler. Zum Beispiel kannst du zustimmen, dass (sogenannte) Christen oft ein schlechtes Vorbild sind … das Wesentliche aber ist, ob das mit Jesus stimmt. Ermutige den anderen, sich bewusst mit den essenziellen Fragen auseinanderzusetzen (insbesondere mit Ostern, s. 1. Korinther 15,14.17).
Hab keine Angst, …
… „Ich weiß es nicht“ zu sagen. Du musst nicht alle Antworten parat haben. Wenn du merkst, dass der andere ein ehrliches Interesse hat, kannst du ihm versprechen: „Ich frag meinen Pastor oder lese in der Bibel nach. Lass uns nächstes Mal nochmal darüber reden. Erinnere mich gern daran.“
Suche selbst nach Antworten, …
… damit du weißt, was und warum du glaubst. Und wie man gewinnbringende Diskussionen führt. Dadurch wird das, was du sagst, überzeugender (als mit dem Argument „weil halt“). Auch die Angst vor schwierigen Fragen wird kleiner. Und es wird dir leichter fallen, die Überzeugungen deines Gesprächspartners zu erkennen und zu hinterfragen.
Weißt du, was die Bibel zum Leid sagst? Kennst du dich mit dem Moralargument oder den Argumenten zur Auferstehung aus? Erkennst du Widersprüche in den Überzeugungen anderer? Kannst du zielgerichtet Fragen stellen, die zum Nachdenken herausfordern?
Empfehlenswerte Ressourcen:
Greg Koukl: Tactics (Tipps zur Gesprächsführung. Bisher leider nur auf Englisch)
C.S. Lewis: Pardon, ich bin Christ (Grundlegende Argumente für Gott)
Glen Scrivener: Wie die Luft, die wir atmen (Herkunft der heute gängigen Werte)
Lee Strobel: Der Fall Jesus (Argumente für die Auferstehung und das Neue Testament)
Frank Turek: Um Atheist zu sein, fehlt mir der Glaube (Argumente für Gott im Allgemeinen und Jesus im Spezifischen)