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In der Bibel finden wir viele Eigenschaften Gottes: Er ist heilig, wahrhaftig, barmherzig, gnädig, geduldig, mitfühlend, gerecht, souverän, ewig, allmächtig, allwissend, allgegenwärtig.
Doch über eine zentrale Eigenschaft Gottes reden wir in unseren Kreisen nur selten: Gott drängt sich nicht auf – er wirbt, er wartet, er lässt sich ersehnen. Gott will gewollt werden. Hast du über diese Seite Gottes schon mal länger nachgedacht? Er zwingt sich uns nicht auf. Er will keine Marionetten, sondern eine Beziehung zu uns, die auf Liebe basiert. Gott will ersehnt werden.
Ich bin mir sicher: Gerade, wenn wir in unserem evangelistischen Anliegen weiterkommen wollen, ist das eine der zentralsten Eigenschaften Gottes, mit der wir uns beschäftigen sollten – grundsätzlich theologisch, aber auch ganz praktisch, in Bezug auf unser eigenes Leben und auf unsere Alltagsmission. Dazu möchte ich dich in diesem Artikel ermutigen. Denn wenn wir zulassen, dass diese Eigenschaft Gottes uns selbst von innen heraus verändert, werden wir unseren Glauben auf ganz natürliche Weise nach außen sichtbar leben. Dann ist Evangelisation keine Rolle, die wir gelegentlich nach Feierabend einnehmen, sondern etwas, das passiert, weil wir gar nicht anders können.
Die Tragweite dieser Eigenschaft Gottes wird außerdem umso deutlicher, wenn wir bedenken, wie wir Menschen andererseits mit Gott umgehen. Denn auch diese Wahrheit zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Menschheitsgeschichte: Gott wird von den Menschen abgelehnt.
Jahwe ist der ungewollte Gott
Stell dir vor: Du heiratest. Alles ist perfekt vorbereitet, der schönste Tag deines Lebens. Und in der Hochzeitsnacht begeht dein Partner Ehebruch. Nicht nach Jahren des Alltags, nicht nach langer Entfremdung – sondern genau in diesem Moment, wo ihr gerade den Bund geschlossen habt.
Genau das passiert in der Bibel. Gott schließt mit dem Volk Israel am Sinai einen heiligen Bund – er heiratet sein Volk, sozusagen. Mose ist oben auf dem Berg und empfängt die Zehn Gebote. Und was macht das Volk unten? Es schmilzt sein Gold ein, baut ein Kalb und tanzt darum. Mitten im Bundesschluss. Ein Ausleger hat das treffend „Ehebruch in der Hochzeitsnacht” genannt. Gott ist der betrogene Bräutigam.
Und das ist nicht das erste Mal. Das erste Mal war eigentlich schon früher – viel früher. Adam und Eva. Das Paradies, vollkommene Gemeinschaft mit dem Schöpfer, kein Mangel, keine Scham – und trotzdem greifen sie nach etwas, das sie selbst groß macht. Wir wollen dich nicht, Gott. Hier passt das Bild einer Hochzeitsnacht nicht, aber dennoch ist es Ablehnung in reinster Form.
Nach Adam und Eva zeigt sich dasselbe Muster immer wieder: Die Menschen vor der Sintflut – wir wollen dich nicht, Gott. Das befreite Volk Israel in der Wüste – wir wollen dich nicht, Gott. Und dann die Richter- und Königszeit, die eigentlich eine einzige lange Wiederholung dieses Motivs ist. Sie wollen heidnische Könige statt Gott. Irdische Bündnisse statt seiner Führung. Eigene Götzen, eigene Vorstellungen von Moral, eine selbstgemachte Version von Religion.
In 1. Samuel 8,7 sagt Gott zu Samuel etwas, das mich jedes Mal trifft, wenn ich es lese:
„Hör auf alles, was sie dir sagen. Denn dieses Volk lehnt nicht dich ab, sondern mich. Ich soll nicht länger ihr König sein. So haben sie es immer wieder gemacht, seit ich sie aus Ägypten geführt habe. Immer wieder sind sie mir untreu geworden und haben anderen Göttern gedient.”
Gott ist nicht nur der betrogene Bräutigam – er ist auch der zurückgewiesene König.

Und trotz all dem wendet sich Gott nicht von uns ab. Er tut das genaue Gegenteil: Er wird Mensch. Aus Liebe zu uns wird Gott einer von uns – in Jesus Christus. Aber das macht es, offen gesagt, nicht besser. Johannes schreibt in Johannes 1,11: „Er kam in sein Eigentum, aber die Menschen, die sein Eigentum waren, nahmen ihn nicht auf." Die religiöse Elite seiner Zeit will ihn nicht. Seine eigene Heimatstadt Nazareth will ihn nicht. Jesus ist der verheißene, aber abgelehnte Messias.
In Lukas 15 erzählt Jesus das Gleichnis vom Vater, dem sein Sohn ins Gesicht sagt: Ich wünschte, du wärst tot – gib mir mein Erbe jetzt. Gott ist nicht nur der betrogene Bräutigam und der zurückgewiesene König – er ist auch der verlassene Vater.
Paulus fasst das Ganze in Römer 1,21 zusammen: „Trotz allem, was die Menschen von Gott wussten, ehrten sie ihn aber nicht als Gott und brachten ihm auch keinerlei Dank."
Das ist nicht nur eine Geschichte von damals. Das ist bis heute so. Und ich sage das nicht von einem erhobenen Standpunkt aus – ich erkenne mich selbst darin, in Phasen meines Lebens, wo ich Gott lieber auf Abstand gehalten habe.
Warum erzähle ich das alles? Wenn man versteht, wie viel Ablehnung Gott in der Geschichte der Menschheit erfahren hat, versteht man vielleicht auch, warum er so stark auf etwas ganz anderes reagiert – auf Hunger nach ihm. Auf Hingabe. Auf Sehnsucht.
Gott will gewollt werden

John Tyson ist Pastor einer Gemeinde mitten in New York City. Ich durfte letztes Jahr einen Monat bei seiner Gemeinde sein. Tyson hat mit seiner Familie eine etwas ungewöhnliche Reise gemacht: Kein Disneyland, kein Mallorca, sondern eine erweckungsgeschichtliche Reise durch Europa. Sie sind an die Orte gefahren und geflogen, wo in der Kirchengeschichte Erweckungen stattgefunden haben – wo Gott auf bemerkenswerte Weise gewirkt hat und Tausende, manchmal Zehntausende Menschen zum Glauben kamen.
Diese Orte waren ganz unterschiedlich. Großkirchen, anglikanische, methodistische, calvinistische, pfingstliche Gemeinden. Völlig verschiedene Kontexte, Kulturen, Stile. Und Tyson hat sich gefragt: Gibt es trotzdem ein Prinzip, das sich immer wiederholt? Etwas, das all diese Erweckungen gemeinsam hatten?
Seine Antwort: Ja. Und er hat es so formuliert: Gott kommt, wo er ersehnt wird.
Ich glaube, das ist kein Zufall. Es liegt im Wesen Gottes begründet. Und die Bibel ist voll davon:
5. Mose 4,29: „Wenn du von dort aus den Herrn, deinen Gott, suchen wirst, wirst du ihn finden, wenn du ihn von ganzem Herzen und mit ganzer Seele suchst."
Sprüche 8,17: „Die mich lieben, die liebe ich; und die mich eifrig suchen, werden mich finden."
Jesaja 55,6: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt! Ruft ihn an, solange er nahe ist!"
Matthäus 7,7: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet."
Johannes 7,37: „Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken."
Jeremia 29,13–14: vielleicht die direkteste Stelle von allen: „Ihr werdet mich suchen und finden, wenn ihr euch mit ganzem Herzen um mich bemüht. Ich werde mich von euch finden lassen, spricht der Herr."
Ich stelle mir das manchmal so vor wie Verstecken spielen mit kleinen Kindern. Ich habe Neffen und eine Nichte, und wenn wir Verstecken spielen: Ich lasse sie ein bisschen suchen, aber dann schaue ich kurz hinter dem Klavier hervor oder ich mache ein kleines Geräusch, weil ich will, dass sie mich finden.
Genauso ist Gott der ultimativ gute Vater. Er will gesucht werden. Aber er will sich von uns finden lassen. Genau das macht Jeremia 29 so wunderschön: Es ist keine Schnitzeljagd, die auf eine falsche Fährte führt. Es ist eine Einladung von einem Gott, der sich in die Büsche schlägt – und dabei innerlich hofft, dass du kommst.
Hunger nach Gott braucht Raum
In den Seligpreisungen in Matthäus 5,6 steht dieser eine Satz, der mich immer wieder einholt: „Glücklich zu preisen sind die, die hungern und dürsten nach dem, was vor Gott recht ist – sie werden satt werden."
Das griechische Wort makarios, das hier mit „glücklich zu preisen” übersetzt wird, ist ein starkes Wort. Es geht nicht um ein schwaches Wohlbefinden, sondern um tiefes, echtes Glück. Und dieses Glück wird ausgerechnet denen versprochen, die hungern und dürsten. Nicht denen, die satt sind. Nicht denen, die es bequem haben. Sondern denen, die wirklich etwas vermissen und sich danach ausstrecken.

Die Gerechtigkeit, von der Jesus hier spricht, ist übrigens kein abstraktes philosophisches Konzept. Es geht um den Hunger nach Gottes Gegenwart, seiner Wirksamkeit, der Durchsetzung seiner Wirklichkeit. Wer so hungert, dem verspricht Jesus: Du wirst satt werden.
Und dann schaue ich mir ehrlich mein Leben an. Und eine Frage wird laut, die ich lieber nicht zu laut werden lasse: Kann es sein, dass mein Leben zu vollgestopft ist? So voll, dass dieser Hunger von anderen Dingen überlagert wird?
Ich will hier mal ganz ehrlich zu dir sein, weil ich glaube, dass wir im selben Boot sitzen. Oft sind wir so beschäftigt und abgelenkt von anderen Dingen, dass diese SehnSUCHT nach Gott im Keim erstickt wird. In meinem Fall ist es ja sogar so, dass ich eine fromme Arbeitsstelle habe. Ich habe also wirklich gute Gründe, viel zu arbeiten – für Gott, für die Gemeinde, für Menschen. Aber ich merke: Ich kann ganz viele Dinge für Gott tun und dabei trotzdem meinen Hunger nach Gott kleinmachen. Das ist eine unbequeme Erkenntnis. Fromme Geschäftigkeit kann Sehnsucht aushöhlen, genauso wie jede andere Geschäftigkeit auch.
Und dann ist da noch die Zerstreuung. Wir leben in einer Zeit mit der bis dato größten Ablenkungsinfrastruktur der Geschichte. Das Potenzial, unsere Zeit und Aufmerksamkeit mit Trivialem zu verschwenden – mit Rabbit Holes, mit endlosem Scrollen, mit Dingen, die uns im nächsten Moment schon wieder egal sind – ist so hoch wie nie. Das sage ich ohne erhobenen Zeigefinger. Aber ich glaube, es lohnt sich, ehrlich hinzuschauen: Was hält meinen Hunger nach Gott eigentlich klein?
Gott ersehnen – aber wie?
Auch hier will ich konkret werden und aus meinem eigenen Leben erzählen:
Ich bin fromm aufgewachsen und habe wirklich tolle Eltern gehabt, die mir den Glauben auf eine sehr coole Art und Weise nahegebracht haben. Ich bin auch jemand, bei dem Leidenschaft nach außen sichtbar ist – laut, intensiv, irgendwie immer nach vorne. Aber trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – habe ich in den letzten sechs, sieben Jahren etwas erlebt, das mich überrascht hat: Was für ein Leben mit Gott eigentlich möglich ist.
Es gab Brüche und schwierige Zeiten in meinem Leben, durch die ich gemerkt habe: Ich brauche ihn wirklich. Und je mehr ich gemerkt habe, was für ein Gott das überhaupt ist – der Inbegriff von Schönheit, von Herrlichkeit, von Größe – desto mehr ist etwas in mir wach geworden, das ich am besten mit Psalm 27,4 beschreibe. David schreibt dort: „Eines bitte ich vom Herrn, danach verlange ich: im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit des Herrn zu schauen und über ihn nachzusinnen in seinem Tempel."
Ich bin noch nicht da, wo David in diesem Psalm ist. Aber ich bin auf dem Weg. Und auf diesem Weg haben mir ein paar Dinge konkret geholfen:
Mit diesem Gebet fing bei mir alles an
Am Anfang dieser Reise – und ich bete es bis heute sehr häufig – steht ein ganz einfaches Gebet:
„Gott, schenk mir eine Sehnsucht nach dir, die mich dich suchen lässt.”
Das klingt unschuldig. Fast zu einfach. Aber es hat in meinem Leben eine Kraft entfaltet, die ich mir so nicht vorgestellt hatte. Weil dahinter eine tiefe Erkenntnis steckt: Ich brauche Gott, um ihn zu ersehnen. Ich brauche ihn, um ihn zu suchen. Ich brauche ihn, um ihn zu finden. Es ist alles Geschenk. Dieses Gebet gibt die Kontrolle ab – und öffnet gleichzeitig eine Tür.
Das Smartphone ist für mich die größte Falle
Hier ist eine Einsicht, die mich wirklich beschäftigt hat: Wie ich meinen Alltag lebe, hat direkte Auswirkungen darauf, wie ich bete. Wenn ich meinen ganzen Tag damit fülle, von einem Dopamin-Hit zum nächsten zu springen – Nachrichten, Reels, schnelle Unterhaltung – dann gehe ich ins Gebet und nach zwei Minuten ist es mir komplett langweilig. Mein Außen prägt mein Innen.
Konkret bedeutet das für mich: Ich habe meinem Smartphone klare Grenzen gesetzt. Nicht weil ich ein Technik-Feind bin, sondern weil ich gemerkt habe, dass meine Gottesbeziehung direkt davon abhängt:
- Ich bringe mein Handy nicht ins Schlafzimmer.
- Ich habe einen analogen Wecker.
- Mein Smartphone ist abends ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen aus und morgens ein bis zwei Stunden nach dem Aufwachen noch aus.
- Fast alle Push-Benachrichtigungen sind deaktiviert.
- WhatsApp, Signal, Instagram habe ich gar nicht als App.
- Mein Bildschirm läuft in Graustufen.
- Und ich tracke meine Bildschirmzeit.
Das klingt vielleicht kleinlich oder seltsam streng. Aber ich bin überzeugt: Das ist zutiefst geistlich. Die Qualität deiner Gottesbeziehung hängt davon ab, wie du mit deiner Aufmerksamkeit umgehst. Und unser Smartphone ist der Hauptkonkurrent um genau diese Aufmerksamkeit.
Die erste Stunde gehört Gott
Ich mache mir morgens als erstes einen guten Filterkaffee. Das ist für mich schon wie Lobpreis – Gottes Schöpfung genießen, Halleluja. Und dann gehört die erste Stunde des Tages ihm. Es gibt ein Buch – von einem völlig säkularen Autor – in dem wissenschaftlich gut begründet wird, dass die Art, wie wir die erste Stunde unseres Tages verbringen, die Qualität des gesamten Tages maßgeblich beeinflusst. Als Jesusnachfolger denke ich mir: Was könnte es Besseres geben, als diesen Slot mit dem zu füllen, der mir am wichtigsten ist?

Ich bin ein Morgenmensch – das muss ich dazusagen. Vielleicht bist du das nicht, und dann sehen diese Dinge für dich anders aus. Ich nehme dich hier einfach mit in das, was mir hilft. Nicht als Checkliste, die du abarbeiten musst.
Alltagshandlungen mit Gebet verbinden
Wir alle haben nur 24 Stunden. Und je nachdem, in welcher Lebensphase du gerade bist – junges Elternteil, intensiver Job, Pflege von Angehörigen – bleibt nicht immer eine freie Stunde am Stück. Aber ich habe angefangen, die Dinge, die ich sowieso tue, mit Gebet zu verbinden. Autofahrten zum Beispiel:
Ich bin gerade viel im Auto unterwegs – und die ersten Minuten einer Fahrt gehören Gott. Mittlerweile freue ich mich aufs Autofahren. Mein Autositz ist nach meiner Kniebank mein zweitliebster Ort zum Beten geworden. Ähnlich beim Sport: Bibelverse auswendig lernen ist dabei so hilfreich. Dann jogge ich und kann gleichzeitig Psalm 27 mit mir tragen, ohne mein Handy rauszuholen. Beim Wäschewaschen, beim Kochen, auf dem Weg zur Arbeit – überall gibt es Momente, die man mit Gottes Gegenwart füllen kann.
Umgib dich mit Menschen, die mehr brennen als du
Feuer ist ansteckend. Das ist kein Klischee, das ist Erfahrung. Ich war bei John Tyson und seiner Gemeinde in New York, weil mich seine Predigten schon durch Podcasts angezündet hatten. Aber ich wollte auch erleben, wie die Gemeinde als Ganzes drauf ist. Und was ich dort erlebt habe, hat mich tief bewegt: Menschen mitten im vollen, lauten, hektischen New Yorker Alltag, die wirklich für Jesus brennen. Die Gott Raum geben. Die ihn wirklich ersehnen.
Wenn du merkst, dass du dir mehr Hunger wünschst – such dir Menschen, von denen du lernen kannst. Wenn du sie nicht direkt vor Ort kennst, dann durch Bücher, Predigten, Podcasts. Die gibt es. Und sie wirken.
Meine Sehnsucht nach Gott verändert meine Alltagsmission

Warum findest du diesen Artikel auf einem Blog, der sich um Alltagsmission dreht? Weil der erste Schritt in der Alltagsmission die eigene Beziehungspflege zu Gott ist. Wenn wir selbst keine Sehnsucht nach Gott haben, kein Empfinden dafür, dass mit ihm verbrachte Zeit das Wertvollste überhaupt ist, wie können wir dann erwarten, dass wir andere Menschen mit diesem Feuer anstecken?
Ich will hier keinen Druck aufbauen, sondern dich ermutigen: Alltagsmission ist eigentlich keine Wissenschaft – etwas das wir aufwendig lernen müssten. Sie ist keine Technik, keine ausgeklügelte Evangelisationsstrategie, für die es ein Diplom braucht. Sie ist auch keine Rolle, die wir nach Feierabend einnehmen und vor dem Schlafengehen wieder ablegen. Alltagsmission ist das, was ganz natürlich passiert, wenn wir unsere eigene Beziehung zu Gott nicht auf Sparflamme halten.
Denk mal ans Verliebtsein. Wenn jemand wirklich verliebt ist – das sieht man. Das passiert einfach. Liebe kann man nicht faken. Genau so ist es mit echter Gottessehnsucht. Wer mit Gott wirklich lebt, aus ihm heraus denkt und betet und handelt – der erzählt ganz natürlich aus seinem Leben. Nichts gegen Tools, Gesprächstechniken und praktischem Training in Sachen Evangelisation. All das ist wertvoll und wichtig, doch es wird dich nicht weiterbringen, wenn du diesen ersten ganz grundlegenden Aspekt vernachlässigst.
Ich stelle mir das im Alltag so vor: Da ist jemand am Arbeitsplatz, der einfach entspannt erzählt, was er am Wochenende erlebt hat – in seinem Gottesdienst, in seiner Gemeinde, in seinem Gebet. Voller Freude, ohne Druck. Kein Verkaufsgespräch, kein Trichter, den er dem Gegenüber überstülpen will. Einfach Leben, das nach außen leuchtet. Und dann ist da jemand anderes, der nach Feierabend in den Modus „Evangelisation” schaltet – verkrampft, mit Gesprächsleitfaden im Kopf, dem Druck, irgendwie einen Punkt zu setzen. Das eine ist Lebensausdruck. Das andere ist eine Aufführung.
Evangelisation darf kein Modus, keine Pflichtaufgabe sein, mit Kästchen, die wir abhaken. Sie passiert, wenn Gott in uns so real ist, dass wir davon gar nicht schweigen können.
Wo stehst du selbst?
Wenn wir möchten, dass Menschen zum Glauben kommen, fiebern und arbeiten wir auf diesen einen Moment hin: Jemand entscheidet sich für ein Leben mit Christus. Möchten wir andere Menschen auf diesem Weg begleiten, lohnt es sich, immer mal wieder kurz innezuhalten – und sich selbst ehrlich zu fragen: Wie steht es gerade um meine eigene Gottesbeziehung?
Nicht, damit du frommer wirken oder ein besserer Evangelist sein kannst. Sondern einfach, weil du ihn brauchst und weil unsere eigene Beziehung zu Gott das Fundament für alles Weitere ist, das daraus erwächst.
Vielleicht ist diese Sehnsucht nach Gott gerade lebendig in dir. Vielleicht ist sie aber auch still geworden – vergraben unter Alltag, Aufgaben und Verantwortung. Dann lade ich dich ein: Gib deiner Gottesbeziehung jetzt bewusst neu Raum. Wenn du möchtest, fang hier an – mit einem einfachen Gebet:
„Gott, schenk mir eine Sehnsucht nach dir, die mich dich neu suchen lässt.”