Auslegung Markus 5,18-20: Die Berufung zur Mission in der eigenen Familie

22. Dezember 2025

Die Geschichte des Besessenen zu Beginn von Markus 5 ist besonders. Nicht nur die Schilderung der Heilung selbst – bemerkenswert ist auch die Reaktion von Jesus auf die Bitte des Geheilten, der Jesu Jünger werden will. Lies in dieser Auslegung von Markus 5, was das für deine eigene Mission im Alltag bedeutet.

Die Berufung zur Mission in der eigenen Familie

Auslegung Markus 5,18-20:Die Berufung zur Mission in der eigenen Familie

Er war frei von allen gesellschaftlichen Zwängen, für ihn galten weder Kleiderordnung noch sonstige Konventionen. Grenzenlose Freiheit bedeutete für ihn, dass selbst Ketten und Stricke ihn nicht halten konnten. Er fürchtete nichts, alle fürchteten ihn. Was wie ein Wunschtraum vieler moderner Zeitgenossen klingt, war in Wirklichkeit ein Alptraum. Die Rede ist von dem Gadarener aus dem Text in Markus 5,1-20. Tatsächlich war dieser nämlich von einer Legion Dämonen besessen und lebte in Grabstätten. Jesus kam ans jenseitige Ufer des Sees von Genezareth, um ihn von den Dämonen zu befreien. Das überzeugte die Bewohner jener Gegend keineswegs, im Gegenteil: sie baten ihn unmittelbar nach dem Heilungswunder, ihr Gebiet doch wieder zu verlassen. Was dann passierte, überrascht.

… Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie dem Besessenen geschehen war, und das von den Schweinen. Und sie fingen an, ihm [Jesus] zuzureden, aus ihrem Gebiet wegzugehen. Und als er in das Schiff stieg, bat ihn der Besessene, dass er bei ihm sein dürfe. Und er ließ es ihm nicht zu, sondern spricht zu ihm: Geh hin in dein Haus zu den Deinen und verkünde ihnen, wie viel der Herr an dir getan und wie er sich deiner erbarmt hat. Und er ging hin und fing an, in der Dekapolis bekannt zu machen, wie viel Jesus an ihm getan hatte; und alle verwunderten sich.

Markus 5,17-20

Dein Missionsfeld ist deine Familie!

„Lass mich wie einer von deinen Jüngern mit dir umherziehen“, bat der Mann und wollte sich in dem Schiff niederlassen, das Jesus zurück ans gegenüberliegende Ufer bringen sollte. Völlig überraschend und genauso eindeutig schlägt unser Herr seine Bitte aus! Er hatte den Dämonen erlaubt, in die Schweine zu fahren und kam auch der Bitte nach, das Gebiet, so bald nach der Ankunft, wieder zu verlassen. Aber die Bitte, einen weiteren Jünger mitzunehmen, lehnte er ab. Warum?

„Unser Herr erhört die Bitte der Dämonen, er erhört die Bitte der Anwohner, aber die Bitte: lass mich dir als Jünger folgen, erhört er nicht!“

Der Herr hatte einen anderen Auftrag: „Geh in dein Haus, zu den Deinen“ (Markus 5,19). Und das ist nicht bloß eine andere Aufenthaltsbestimmung, das ist ein expliziter Missionsbefehl Jesu an den Ex-Besessenen. Die Formulierung „in dein Haus, zu den Deinen“ gibt die Richtung vor. Die Botschaft des Geheilten darf Kreise ziehen und das Zentrum dieser Kreise ist die eigene Familie.

Das Epizentrum der Mission ist das eigene Zuhause.

Nicht nur hier, sondern nahezu im gesamten Verlauf der Apostelgeschichte wird die Relevanz des eigenen „Haus(-halt)es“ für die Ausbreitung des Evangeliums wieder und wieder betont. (Zum Beispiel: Apg. 10,2; 11,14; 16,15.31; 18,8.) Der Einfluss von Neubekehrten auf ihre Umgebung wird am deutlichsten bei denen spürbar, die zu ihrer Familie gehören oder mit ihnen im selben Haus leben. Der Befehl in unserem Text ist unmissverständlich: Fange bei dir zu Hause an und erweitere dann deinen Wirkungskreis.

Nimm diesen Auftrag an!

„Lass mich bei dir sein“, hatte der ehemals Besessene gebeten. Wenn wir mit Markus 3,14 vergleichen, kommt das dem Wunsch gleich, als Jünger von Jesus mit ihm umherzuziehen. Der Geheilte hat verstanden, worum es im Glaubensleben geht, nämlich sich ganz Jesus Christus anzuvertrauen. Er wurde von einem Leben unter Dämonenherrschaft befreit, um nun unter der Herrschaft des Herrn zu leben.

Aus Dankbarkeit war er bereit, Heimat und Familie für die Reisen mit seinem Retter zu opfern. Es geht ihm also nicht darum, aus der rauen Wirklichkeit zu fliehen. Im Gegenteil: seine Selbst-Aufgabe qualifiziert unseren Junggläubigen für eine größere und wichtigere Aufgabe.

Deshalb hört er ein „Nein“ auf seine Bitte und akzeptiert es. Vielleicht wird ihm bewusst: Wenn Jesus „Nein“ sagt, hat er einen anderen Plan für mich. Und dieser Plan beinhaltet: sei mein Missionar in deiner Familie. Die Mission in der Familie und dann unter den Leuten am Ostufer war für den Gadarener wichtiger als die unmittelbare räumliche Nähe zu Jesus.

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Sei gehorsam!

Selbst wir heutigen Leser können die Ablehnung unseres Herrn nur schwer fraglos hinnehmen. Wie sehr war dann der Bittsteller selbst zum Widerspruch herausgefordert. „Du schickst mich hier hin? Herr, du hast es selbst erlebt: es gibt wohl kaum einen schwierigeren Missionsort als gerade diesen hier!“ Nichts dergleichen lesen wir von unserem „Helden“. Widerspruchslos erfüllt er seinen Auftrag. Offensichtlich hat er sein Missionsgebiet später sogar über den ausdrücklichen Befehl, Bote Gottes in Familien- und Freundeskreis zu sein, ausgeweitet: „Er fing an, im Gebiet der Dekapolis zu verkündigen“ (Markus 5,20). Wir können es vielleicht so fassen: seine Bewährung im Familienkreis erschloss ihm ein größeres Missionsfeld. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, dass unser Herr bei seinem nächsten von Markus geschilderten Aufenthalt in der Dekapolis (siehe Markus 7,31f) auf wesentlich größere Aufnahmebereitschaft trifft.

Hab keine Angst: der Missionsbefehl ist gleichzeitig eine Verheißung!

Wie würde wohl das erste Wiedersehen des Geheilten mit seiner Familie verlaufen? Aus seinem schäumenden und angsteinflößenden Gebaren war ein ruhiges, friedliches Verhalten geworden – eine ähnliche Beschreibung wie Markus sie ein Kapitel zuvor für die machtvolle Sturmstillung durch den Herrn verwendet. Und doch könnte ihm seine Familie mit Zweifeln, Angst und Ablehnung begegnen – nach allem, was er ihr angetan hatte! Würden sie an die dauerhafte Befreiung von den bösen Mächten durch die größere Macht des Herrn glauben können? Doch der Befehl Jesu, „Gehe zurück in deine Familie“, darf dem neuen Jünger Zuversicht vermitteln. Wenn die Bewohner des Ostufers auch das Zeugnis von Jesus ablehnten, er würde unter ihnen gelassen werden, um, um dieses Zeugnis weiterzutragen. Jesu Worte wollten sie nicht hören, sein Zeugnis von der Macht dieses Herrn werden sie hören und täglich erleben!

Wenn unser Herr uns aussendet, dann verknüpft er damit eine Verheißung. Das ist der Fall in Apostelgeschichte 1,8. „Ihr werdet meine Zeugen sein“ ist verbunden mit: „ihr werdet Kraft empfangen“. Das ist auch der Fall in Matthäus 28,18-20. „Geht nun hin … bis an das Ende der Erde“ steht im Kontext von: „Mir ist alle Gewalt gegeben … und siehe ich bin bei euch“. So ist der Herr mit seiner Kraft und seinem Geist also auch bei dem Gadarener.

Sprich nicht von dir, sondern vom machtvollen Wirken des Herrn!

In diesen drei Versen wird uns nicht nur der Missionsauftrag des Geheilten nahegebracht, sondern auch die Botschaft buchstabiert, die er weiterzugeben hatte. Er sollte die Macht und die Barmherzigkeit Gottes verkündigen. Sein Reden machte also nicht ihn selbst groß, sondern den Herrn, Jesus, der „große Dinge“ getan hatte. Auch hier ist ein nachahmenswertes Muster erkennbar, das sich zu Pfingsten wiederholte. Die dort Anwesenden fassten die Reden der Apostel so zusammen: „Wir hören sie die großen Taten Gottes verkündigen“ (Apostelgeschichte 2,11). Wenn schon der Gadarener allen Grund hatte, die Größe und Macht von Jesus zu verkündigen, wieviel mehr Grund haben alle Christen dafür, nachdem der Herr durch seinen Tod und seine Auferstehung, die Mächte der Finsternis besiegt und sie entwaffnet hat (siehe Kolosser 2,15)!

Die Reaktion der Zuhörer in unserem Text fällt dann auch entsprechend aus: „und alle verwunderten sich“.

Wir müssen in unseren Familien nicht als die Besserwisser auftreten, aber wir dürfen ihnen Zeugnis von der Größe und Macht Gottes ablegen.

Wir wissen also wo und was zu bezeugen ist: wann fangen wir damit an?

Beitragsbild: © unsplash.com/Priscilla Du Preez

Jochen Endres

Redakteur für "Das Wort - gemeinsam lesen"

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