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Es ist Dienstagmorgen, du kommst ins Büro. Auf deinem Schreibtisch liegt ein riesiger Stapel Aufgaben, die alle diese Woche noch erledigt werden wollen. Du setzt dich hin, atmest tief durch – bist bereit für deinen Arbeitstag. Doch dann lächelt dich deine Kollegin freundlich an und gegenüber sitzt der stille neue Kollege, der kürzlich aus Indien zugezogen ist und gerade Deutsch lernt. Eine Gelegenheit für gute Gespräche, in denen du vielleicht auch deinen Glauben weitergeben kannst? Du weißt, Evangelisation ist gerade auch am Arbeitsplatz dein Auftrag, aber wie kannst du es angehen?
Natürlich kannst du nicht einfach jedem eine Bibel in die Hand drücken und fertig. Stell dir mal das Gesicht deiner gestressten Chefin vor, wenn du das zwischen zwei Meetings machst. Oder das deines indischen Kollegen, wenn du ihn mit Begriffen wie Sünde, Errettung und Gnade überhäufst. Fingerspitzengefühl ist gefragt.
Wie gehst du die Sache also sinnvoll an? Fragen kommen hoch: Wir kennen uns schon so lange, was, wenn sie das jetzt komisch findet? Versteht er überhaupt, was ich sagen will? Was, wenn ich in der kurzen Zeit nicht zum Punkt komme? Da ist sie: Die Angst, etwas falsch zu machen. Druck baut sich auf. Genau das, was du gerade überhaupt nicht gebrauchen kannst. Dieser Druck kann sehr schnell entmutigen und sogar dazu führen, dass wir am Ende passiv bleiben und gute Gelegenheiten nicht nutzen.
Du darfst diese Sorgen vor Gott bringen und bei ihm loslassen. Das folgende Modell kann dich zudem dabei unterstützen, die Sache aus einer gelasseneren Perspektive zu sehen.
Deine Gespräche am Arbeitsplatz in Kreisen gedacht
Der Frankfurter Gemeindegründer Stephan Pues hat ein schönes Modell zu dem Thema vorbereitet. Das kann dir bei Gesprächen mit Kollegen helfen, aber auch mit Freunden und Bekannten. Es ist sehr einfach: Vor dir siehst du 4 konzentrische, also mittig ineinander liegende Kreise.

Stell dir Gespräche innerhalb dieser Kreise vor: In der Mitte liegt der Kern der guten Nachricht von Jesus. Dazu gehören Aspekte wie: Alle Menschen sind Sünder. Jesus ist aus Liebe zu uns für unsere Schuld gestorben und wieder vom Tod auferstanden. Wenn wir daran glauben, sind wir mit Gott versöhnt und gerettet. Wir bekommen eine neue Identität als Gottes Kinder und dürfen ewig mit Gott leben.
Im zweiten Kreis liegen unsere Weltanschauungen, Konzepte und Überzeugungen. Das können Glück, persönliche Werte, Religion oder Götzen (also alles, was uns wichtiger ist als Gott) eines Menschen sein. Und somit wertvolle, tiefe Gesprächsinhalte. Nach außen hin wird es oberflächlicher: Im dritten Kreis stehen Themen wie Arbeit, Familie, Sport, Politik, Kunst, Geld etc. Aber auch Herausforderungen, persönliche Fragen und Beziehungen. Außen liegen Fragen, die Menschen interessieren oder beschäftigen. Wichtig ist, dass du deinem Gegenüber immer ehrliches Interesse entgegenbringst. Die vorgestellten Themen sind als Einstiege gedacht, nicht einfach als Mittel zum Zweck.
In jedem Gespräch kannst du dich in einem oder mehreren Kreisen bewegen. Also auf unterschiedlich tiefen Gesprächsebenen. Dein Wunsch ist, zum Mittelpunkt zu kommen: Den Kern des Evangeliums ansprechen und deinem Mitmenschen Jesus vorstellen. Nur ist das eben nicht immer gleich für den Einstieg geeignet. Sprich mit deiner Kollegin nicht jeden Morgen über Sünde, das Kreuz oder historische Argumente für die Auferstehung. Das könnte sie überfordern und eure Beziehung völlig unnötig belasten. Es gilt: Druck raus und ruhig einen Schritt zurücktreten.
Hier setzt das Modell an: Fang bei einem leichteren Thema an, das in den Kreisen weiter außen liegt. Dann übe bewusst, weiter nach innen zu kommen. Mit der Zeit wird es dir immer natürlicher gelingen. Je weiter ihr im Gespräch nach innen vordringt, desto näher kommt ihr an die tiefen, wichtigen Themen. Da führt für dich dann kaum noch ein Weg daran vorbei, auf Jesus hinzuweisen. Darauf, dass wir ihn brauchen und auf ein Leben mit Gott angelegt sind.
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Wie kann so ein Gespräch am Arbeitsplatz konkret aussehen?
Beispiel gefällig? Politik ist ein beliebtes Gesprächsthema und oft ein leichter Einstieg. Jeder hat eine Meinung zu dem, was im Land und in der Welt geschieht. Daran kannst du anknüpfen. Wenn einer von euch Politiker ist, sieht die Sache natürlich anders aus.
Konkret kann es um aktuelle Politiker und Regierungschefs gehen. Das bringt dich auf das Konzept von Leitung zu sprechen. Du kannst dein Gegenüber fragen: Wie müsste ein guter Politiker oder Leiter eigentlich sein? Wie sieht verantwortungsvolles Vorangehen und Einflussnehmen aus? Ganz sicher hat dein Gesprächspartner Gedanken hierzu. Höre aufmerksam und ehrlich interessiert zu. Vielleicht endet das Gespräch hier, weil die Pause vorbei ist. Dann kannst du später noch einmal Bezug darauf nehmen. Wenn es passt – falls nicht, ist vielleicht ein anderes Thema besser.
Je nach Situation ergeben sich verschiedene Möglichkeiten: Du kannst ein Gespräch jetzt oder später weiterführen. Oder auch ein besser geeignetes Thema finden.
Vielleicht hast du auch die Gelegenheit, direkt eine Ebene tiefer zu gehen – einen Kreis weiter nach innen. Du könntest feststellen, dass es auf dieser Welt keine perfekten Politiker gibt. Auch keine Leiter oder Vorgesetzten. Sprich das allerdings mit Fingerspitzengefühl an – immerhin möchtest du niemanden versehentlich beleidigen. Erkläre, dass kein Mensch fehlerlos ist. Und dass deshalb gerade in Machtpositionen auch immer das Schlechte im Menschen besonders sichtbar wird.
Geh mutig weiter und zeige den Ausweg auf: Erzähle, wie froh du darüber bist, dass dein Leben letztlich nicht von menschlichen Führungspersonen abhängt. Sondern dass du in Jesus einen völlig integren und vertrauenswürdigen Leiter hast – der alle im Blick hat und immer zu ihrem Besten handelt. Dein Gegenüber wird jetzt vielleicht staunen. Oder Fragen haben. Oder Einwände. Du kannst passend reagieren.

Entdecke je nach Situation und Gegenüber, welches Gesprächsthema geeignet sein kann. Natürlich spielt auch der Arbeitsplatz eine Rolle: Kaffeepausen im Bürojob sind besonders dankbare Anlässe. Ein Förster hat dazu keine Gelegenheit. Dafür kann er viel intensiver über die Schönheit der Schöpfung sprechen als viele andere. Kraftfahrer haben keine Kollegen um sich, treffen aber verschiedenste Persönlichkeiten auf Parkplätzen. Eine Erzieherin kann mit Eltern ins Gespräch kommen und eine Bäckerin ihren Kunden Kurzimpulse geben. Du siehst: Kreativ sein und Intuition zeigen lohnen sich.
Sei vorbereitet – aber auch gelassen und spontan
Eine Sache sollte dir immer bewusst sein: Nicht alles muss in einem Gespräch passieren. Und nicht alles muss am selben Tag passieren. Diese Erwartung würde nur wieder Druck erzeugen. Du wärst frustriert und dein Gegenüber womöglich durch künstliche Gesprächsaufhänger irritiert. Immerhin geht es um echtes Interesse an deinem Gesprächspartner.
Gott hat seinen eigenen Zeitplan. Bereite deine Gespräche – am besten deinen ganzen Arbeitstag – immer im Gebet vor. Lass dich vom Heiligen Geist leiten, wenn du entscheidest, ob es Zeit ist, mutig eine Ebene tiefer zu gehen – oder noch zu warten. Gott weiß doch genau, wo bei deinem Gegenüber eine Tür offensteht. Und um welche Themen noch dicke Mauern eingerissen werden müssen. Und er ist es, der die Herzen der Menschen, mit denen wir sprechen, für Jesus öffnet (Apostelgeschichte 16,14).
Deine Verantwortung ist, zu passender Gelegenheit mit deinen Mitmenschen ins Gespräch zu gehen. Die Menschen an deinem Arbeitsplatz gehören dazu. Gleichzeitig darfst du demütig darauf vertrauen, dass deine Grenzen nicht entscheiden, wie es ausgeht. Dein Gegenüber darf völlig frei entscheiden, was er oder sie daraus macht. Über allem thront Gott, der euch beide in seiner liebenden Hand hält.
Diese Perspektive kann Tiefe in deine Begegnungen bringen und dir helfen, in Gesprächen natürlich auf Jesus hinzuweisen. Du wirst überrascht sein, wie häufig Menschen offen sind, über tiefere Themen zu sprechen. Probier das Kreismodell doch direkt an deinem nächsten Arbeitstag aus.
Titelbild: © Ki generiert