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Nina hatte es nun schon länger auf dem Herzen, mit ihren Kollegen am Arbeitsplatz über den Glauben zu reden. Wenigstens einen kleinen Impuls wollte sie setzen. Einige wussten gar nicht, dass sie überhaupt begeisterte Christin ist. Und so entwickelte sich eines Tages ein Smalltalk an der Kaffeemaschine. Ihre Kollegin erzählte begeistert, dass sie sich den aktuellen Spiegel-Bestseller gekauft habe und er so spannend sei, dass sie ihn gestern Abend kaum weglegen konnte und deshalb heute einen Kaffee mehr brauche. Nina witterte ihre Chance. „Ich lese auch total gerne!”, sagte sie. „Was liest du denn so?”, fragte ihre lesebegeisterte Kollegin zurück. „Also am liebsten beschäftige ich mich mit der Bibel und dem, was Jesus gesagt hat. Das finde ich so inspirierend!” Sofort bekam sie Erwiderung: „Ach geh mir weg mit diesem Kirchenmüll und Jesuskram, damit kann ich ja so gar nichts anfangen!” Es trat betretene Stille im Pausenraum ein. Bevor Nina überhaupt realisieren konnte, wie unerwartet sie einen so harten Konter für das bloße Erwähnen der Bibel bekommen hatte, sagte ihre Kollegin schon: „Na gut, also ich muss mal weitermachen. Bis später, Nina!”
Kennst du Situationen wie diese? Du willst eigentlich Menschen einen Schritt näher zu Jesus bringen, aber sie blocken total ab! Es scheint manchmal kaum einen Zugangsweg zu geben. Besonders wenn dann noch negative Medienberichte über das Christentum, Christfluencer oder die Kirche dazukommen, scheinen die Arbeitskollegen noch ablehnender zu sein.
In diesem Blogartikel wollen wir gemeinsam ergründen, wie wir Arbeitskollegen mit dem Evangelium erreichen können, auch wenn sie keinerlei Interesse zu haben scheinen. Wie kann dein Glaube am Arbeitsplatz deinen Kollegen zum Segen werden?
1. Beten, beten, beten!
Was plakativ klingen mag, ist die Grundlage für Veränderung. Stell dir vor, du betest jeden Tag für einige Kollegen, z. B. bei deiner morgendlichen stillen Zeit oder auf dem Arbeitsweg. Jeden Tag. Was wird passieren? Erstmal wird sich dein Herz verändern. Je mehr du für eine Person betest, desto mehr wirst du sie ins Herz schließen und ihr mit Herzlichkeit, Wertschätzung und Liebe begegnen. Es ist auch die Erfahrung der meisten Alltagsmissionare, dass der Herr sogenannte „Kairos-Momente” schenkt: also Begegnungen mit der Person, für die man betet, die von ihm vorbereitet wurden und eine Gesprächsmöglichkeit über den Glauben eröffnen. Durch intensives Gebet können wir so wirklich etwas im Lebensalltag mit Jesus erleben! Natürlich gibt es keine Garantie dafür. Doch du kannst zuversichtlich sein, denn unser Gott hört unser Gebet (vgl. Psalm 65,3) und freut sich darüber, wenn wir für unsere Mitmenschen ein Anliegen haben – denn er hat ein noch viel größeres für sie (vgl. 2. Petrus 3,9). Halten wir fest: Gebet verändert sowohl unser Herz als auch das Herz des Menschen, für den wir beten.
2. Lass dein Verhalten am Arbeitsplatz sprechen

Gerade wenn du deine Kollegen dauerhaft über einen langen Zeitraum siehst, ist es entscheidend, wie du auftrittst. Bist du als positive, freundliche Person bekannt oder als oft schlecht gelaunter Nörgler? Es ist ein großes Zeugnis für andere, im Alltag eine christusähnlichere Persönlichkeit zu entwickeln und widerzuspiegeln. Als Christen glauben wir, dass Jesus in uns wohnt (Johannes 14). Das wird sich konkret bemerkbar machen, wenn wir ihn darum bitten, dass wir seinem Beispiel im Lebenswandel nacheifern. Seiner Liebe und Freundlichkeit. Seiner tiefen Beziehung zum Vater, die er in allem ausstrahlte, was er tat. Im Arbeitsalltag geht es um die kleinen Dinge unseres Verhaltens. Wie gehen wir mit Schwierigkeiten und Frust um? Wie reagieren wir, wenn wir provoziert werden oder wenn wir uns gestresst fühlen? Was, wenn eine private Belastung dazukommt?
Genau diese Situationen sind hervorragende Gelegenheiten, mit dem Herrn darum zu ringen, die Frucht des Geistes zu zeigen, die nach Galater 5 aus folgenden Eigenschaften besteht: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Diese neun Eigenschaften könnte man auch die „neun Siebe” nennen: Theoretisch könnten wir immer nachdenken, ob das, was wir sagen, diesen neun Aspekten entspricht oder nicht. Es also gleichsam durch neun Siebe laufen lassen. Dafür fehlt uns sicher oft die Zeit und keinem Christen wird es gelingen, sich nicht zu verfehlen, wenn er redet (Jakobus 3,2). Trotzdem werden unsere Kollegen einen Unterschied merken, wenn wir an uns arbeiten – und wir müssen das ja nicht allein tun, sondern wir arbeiten zusammen mit Jesus an uns. Du könntest dir z. B. die Eigenschaft aussuchen, die dir noch am meisten fehlt, und bewusst darauf achten, dass sie in deinen Worten zur Geltung kommt.
Auch wenn wir aufgrund von Desinteresse unserer Kollegen manchmal kaum Gelegenheit haben sollten, mit ihnen direkt über den Glauben zu sprechen, so kann unser Verhalten einen Unterschied machen und sie neugierig auf unseren Glauben machen, der der Grund dafür ist.
3. Zeige konkret Interesse
Die meisten Menschen machen die Erfahrung, dass es eher wenige andere Leute gibt, die sich wirklich für sie interessieren. Es liegt im menschlichen Naturell, sich primär für sich selbst zu interessieren. Sollten deine Arbeitskollegen auch wenig Interesse an dir und deinem Glauben zeigen, so kannst du auch hier wieder einen Unterschied machen, indem du dich für sie interessierst. Was machen dein Arbeitskollege, deine Arbeitskollegin, denn eigentlich so im Leben? Was beschäftigt sie? Was machen sie in ihrer Freizeit? Welche gemeinsamen Interessen habt ihr trotz aller Unterschiede? Sind es z. B. ähnliche familiäre Situationen und Herausforderungen? Oder eine gemeinsame Sportart? Es ist nahezu unmöglich, mit einem Menschen keinerlei Gemeinsamkeiten zu finden.

Durch konstantes persönliches Interesse entsteht zwangsläufig eine gewisse Sympathie. Menschen mögen es einfach, wenn man sich für sie interessiert! So wie wir es ja auch mögen, wenn sich jemand für uns interessiert. Durch einfache Rückfragen im Smalltalk kannst du über einen längeren Zeitraum hinweg immer mehr über deine Kollegen erfahren. Du wirst sehen, dass sie sich dadurch auch mehr für dich interessieren werden. Und schließlich werden sich Gelegenheiten ergeben, wo du auch über deinen Glauben sprechen kannst.
Wichtig beim Interessezeigen ist, dass du auch wirklich Interesse hast. Es ist kein Vehikel, kein Mittel zum Zweck, um irgendwann endlich das Evangelium zu teilen. Sondern es sollte echtes, von Herzen kommendes Interesse sein, auch wenn sich derjenige weiterhin nicht für den Glauben öffnet. Warum? Weil unser Gott sich auch für die Menschen interessiert und geduldig um sie wirbt und dazu einlädt, doch ihr Leben nicht mit sich selbst auszumachen, sondern ihn mit einzubeziehen. Warum nicht auch hierbei unserem wunderbaren Gott nacheifern?
4. Gib echten Einblick in dein Glaubensleben
Bei Kollegen, die dem Glauben eher abweisend gegenüberstehen, könnte die erste Zeugnismöglichkeit sein, einfach kurze Einblicke in das eigene Leben zu geben. Z. B.:
Kollegin: „Und, was machst du heute noch so?”
Nina: „Ich treffe mich noch mit Freunden zum Lesen.”
Kollegin: „Was lest ihr denn?”
Nina: „Ich weiß, du hast da keine große Verbindung dazu, aber wir lesen die Bibel. Was Jesus so gelehrt hat. Und was hast du noch vor?”
Durch einen solchen Gesprächsverlauf machen wir klar, dass wir niemanden zutexten wollen, der uns schon mal klar zu verstehen gegeben hat, dass ihn das Christentum nicht interessiert. Gleichzeitig zeigen wir weiterhin Interesse. Und wir geben einen Einblick in unser Glaubensleben. Die Arbeitskollegin weiß nun, dass wir auch ganz konkret mit Freunden Bibel lesen. Wenn es passend ist, könnten wir auch die sehr gelungene Rückfrage stellen: „Was mich sehr interessieren würde: Hast du als Erwachsener denn schon mal bewusst die Bibel gelesen?” Die meisten haben das nämlich nicht. Wir könnten sogar eine freundliche Einladung zum gemeinsamen Bibellesen wie folgt aussprechen: „Es würde mich so interessieren, wie die ersten 18 Sätze eines Bibelbuches über Jesus auf dich wirken. Darf ich dir die mal zeigen? Dauert auch wirklich nicht lange.” Die Erfahrung hat gezeigt, dass etwa jeder Dritte „ja” sagt – oft auch ausgerechnet die Menschen, von denen man es nie erwartet hätte!
Wie man dann konkret die ersten 18 Verse des Johannesevangeliums lesen kann, zeigt dir unser Angebot: Das Wort gemeinsam lesen. Übrigens: Dadurch, dass wir nicht Verse, sondern Sätze sagen, wirkt es für einen nichtchristlichen Gesprächspartner viel greifbarer und einladender – denn 18 Sätze wird ein nichtgläubiger Mensch in der Regel eher lesen wollen als 18 Verse.
5. Verbringt gemeinsam Zeit
Gerade bei am Glauben desinteressierten Kollegen ist es gut, trotzdem einen guten Kontakt zu halten: Man könnte immer wieder bewusst gemeinsam Mittags- und Kaffeepause machen. Bewährt hat sich natürlich immer, ein Mittagessen auszugeben – z. B. an deinem Geburtstag. Wer isst nicht gerne ein kostenloses, leckeres und warmes Stück Pizza oder ein Stück Torte und verbindet mit dem großzügigen Spendierer danach etwas Positives? Die Bibel ist durchzogen vom Thema Gastfreundschaft. Diese bezieht sich im Neuen Testament besonders auf Menschen, die noch nicht zu unserem engeren Freundes- und Familienkreis gehören, wie eben unsere Arbeitskollegen. Auch eine Essens- oder Grilleinladung bei uns zu Hause könnte eine schöne Geste sein, die unsere Arbeitskollegen für engeren Kontakt öffnet. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Gerade wenn wir vielleicht Kinder im gleichen Alter haben, bietet es sich ja geradewegs an, sich auch mal in der Freizeit zu treffen.
Es mag manchmal etwas Überwindung kosten, sich bewusst aus den christlichen Kreisen heraus zu bewegen und bewusst Kontakt zu unseren nichtchristlichen Kollegen zu suchen. Doch genau das ist auch damit gemeint, dass wir Licht in der Welt sein sollen und es unser aller Lebensaufgabe ist, Menschen mit Jesus bekannt zu machen. Einfache Vorsätze, wie z. B. einmal im Monat bewusst Zeit außerhalb der Arbeit mit Arbeitskollegen zu verbringen, sind für die meisten Christen sehr machbar und machen einen großen Unterschied – gerade für Menschen, die eigentlich mit Jesus bisher nichts zu tun haben wollten!
6. Hab Vertrauen
Halte deine Arbeitskollegen nicht für hoffnungslose Fälle, auch dann nicht, wenn sie momentan nichts von unserem Glauben wissen wollen. Denn Gott tut es auch nicht. Wie der Hirte im Gleichnis vom verlorenen Schaf gibt Gott keinen Menschen auf. Dann sollten wir es auch nicht tun. Dadurch, dass wir sie zwangsläufig immer wieder sehen, haben wir die Gelegenheit, ihnen durch das, was wir sagen, und wie wir sind, Zeugnis zu sein und sie auch neugierig auf uns und unseren Glauben zu machen. Durch Freundlichkeit und echtes Interesse an ihnen als Menschen können wir den Unterschied machen. Und durch eine tiefe Gebetsroutine, wie oben beschrieben, haben viele Christen schon sehr praktisch und erstaunlich erleben dürfen, wie Gott ganz konkret Gelegenheit aus dem Nichts geschaffen und Herzen zum Positiven verändert hat – sowohl unsere als auch die unserer Kollegen.
Titelbild: © unsplash.com/Getty Images