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Als eher schüchterner, introvertierter Mensch beobachtest du vielleicht, wie leicht anderen Leuten Gespräche und Smalltalk von der Hand gehen – du aber stehst daneben und fragst dich, warum es dir so viel schwerer fällt, den Mund aufzumachen! Als Christen wollen wir unsere Mitmenschen zu Jesus einladen und als stiller, eher in sich gekehrter Mensch kann das wie eine überwältigende Herausforderung wirken.
Die gute Nachricht ist: Es gibt viele Tipps und Tricks, die ich dir an die Hand geben möchte, damit du Alltagsmission am Arbeitsplatz mit Freude leben kannst und auch ohne, dass sich dein innerer Kritiker ständig zu Wort meldet.
Bevor wir loslegen, eine Bemerkung vorweg: Im Folgenden meine ich mit „introvertiert“ die umgangssprachliche Bedeutung, nämlich das schüchterne, still wirkende, wenig Rederaum einnehmende Insichgekehrtsein.
Du bist anders
Vielleicht hast du dir als introvertierter Mensch schonmal gewünscht, lieber auch so offen und selbstbewusst auftreten zu können, wie Extrovertierte es tun. Doch als introvertierter Mensch bist du nicht weniger begabt als sie. Du bist einfach anders. Auch hast du Stärken, die Extrovertierten oft fehlen. Stärken, die du in der persönlichen Evangelisation gut einsetzen kannst. Zum Beispiel, um ebenfalls schüchterne und introvertierte Arbeitskollegen mit dem Evangelium zu erreichen. Denn Fakt ist: „gleich und gleich gesellt sich gern“.
Du hast zu ihnen wohl oft einen besseren Zugang als ihn ein aufbrausender, redseliger Kollege hat. Auch wirst du wahrscheinlich als angenehm wahrgenommen werden, da du nicht immer zu allem sofort etwas sagst. Automatisch bist du dadurch oft ein besserer Zuhörer und ein analytischer Beobachter – dir fallen Details auf, die anderen manches Mal verborgen bleiben. Wir alle sind im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig – auch in der Art wie wir kommunizieren und auftreten. Und durch deine Einzigartigkeit möchte Jesus anderen Menschen begegnen, denn uns allen gilt, seine Zusage „Salz und Licht in der Welt“ zu sein (Matthäus 5,13).
Überwinde dich, danach wird es leichter
Wenn du den Wunsch hast, deine Arbeitskollegen mit dem Evangelium zu erreichen, gibt es ganz konkrete Tipps, wie dir das als Introvertierter gelingen kann. Du könntest dir zum Beispiel für den Anfang vornehmen, einmal am Tag auf einen Kollegen zuzugehen. Nutze am besten einen Anknüpfpunkt, der dir vertraut ist: Gibt es ein Ereignis im Privatleben, das du mitbekommen hast? Warum nicht darauf eingehen und kurz nach dem Wohlergehen erkundigen? Wenn jemand krankgeschrieben war, könntest du demjenigen sagen: „Schön, dass du wieder da bist. Wie geht’s dir?“
Je öfter du dich überwindest, desto leichter wird es dir fallen. Da du als eher stiller Mensch bekannt bist, wird deine Nachfrage sehr wahrscheinlich auch als besonders nett und freundlich wahrgenommen werden – denn du redest ja eben nicht jeden Tag durchgehend mit jedem, wie es vielleicht andere tun. Du musst nicht „der Redner“ sein – sei der verlässliche, freundliche Kollege, der fragt, zuhört und da ist.

Du kannst deine zwischenmenschliche Kommunikation auch in anderen Alltagssituationen ganz bewusst trainieren. Hast du z.B. Kontakt zu Lieferanten, Dienstleistern oder Kunden? Eine kurze Rückfrage, wie der Tag läuft, wird fast immer geschätzt – und mit jedem Mal fällt es dir leichter, kurze Gespräche zu beginnen und am Laufen zu halten. Man mag vielleicht meinen, dass das doch komisch sei, aus dem Blauen heraus so eine Smalltalkrückfrage zu stellen. Du wirst beim Ausprobieren jedoch feststellen, dass dies in unserer Gesellschaft als völlig normal gilt und bei fast jedem sehr gut ankommt.
Auf den Glauben zu sprechen kommen
Smalltalk und Freundlichkeit sind schon mal die Basis für alles Weitere. Aber wie könnte man dann auf den Glauben zu sprechen kommen? Du musst Kollegen nicht wochenlang „vorwärmen“, um dann eines Tages mal über deinen Glauben sprechen zu dürfen. Lass beides zusammenfließen – natürlich und unaufdringlich. Bei Rückfragen, wie es dir denn geht oder was du am Wochenende so gemacht hast, kannst du einen kleinen Einblick in dein Glaubensleben geben. z.B. dass du eine christliche Gemeinde besuchst oder dich intensiv mit der Bibel beschäftigst. Allein das outet dich bereits als Christ und ist bereits ein Mini-Zeugnis für deine Kollegen – denn in einer Gesellschaft, wo kaum noch jemand in Gottesdienste geht oder die Bibel liest, ist das ein hervorstechender Unterschied in deinem Leben. Hier bietet sich unmittelbar die Rückfrage an: „Hast du denn auch eine Verbindung zum christlichen Glauben?“ Lass deinen Gesprächspartner schildern, was er erlebt hat und denkt.
Du wirst viele Anknüpfpunkte finden. In unserem Blogartikel „Glaube am Arbeitsplatz leben” findest du außerdem viele Anregungen, wie man ein Gespräch auf den Glauben lenken kann und sogar gemeinsam mit Menschen, die eigentlich eher ablehnend eingestellt sind, bibellesen könnte!
Dein Zeugnis spielt eine entscheidende Rolle
Immer wieder wird es zumindest kurze Gelegenheiten geben, zu erzählen, warum du gläubig bist. Wie wir bis jetzt gesehen haben, ist der natürliche, ungezwungene Kontakt zu deinen Arbeitskollegen ein Türöffner, um kleine glaubensbezogene Impulse weitergeben zu können. Ein Einblick, wie du zu Jesus kamst, was für dich entscheidend war, kann ein sehr eindrucksvolles Glaubenszeugnis für andere sein. Was würdest du also konkret sagen? Hat Jesus dich aus innerer Leere oder einem eher gescheiterten Leben befreit? Was an dem, was die Bibel lehrt, hat dich besonders neugierig gemacht oder überzeugt? Was am christlichen Glauben gibt dir Ruhe und Zufriedenheit? Hilfreich ist es, sich ein paar Gedanken zurechtlegen, die sich lohnen geteilt zu werden.
Wir können beständig dafür beten, dass wir genau das teilen wollen, was Gott groß macht – und was zudem in die jeweilige Situation passt. Wir wollen Gott so ganz konkret die Führung übernehmen lassen. Es ist schließlich sein Evangelisationswerk, das er getan haben möchte und weswegen der Herr Jesus noch nicht wiederkam (1Petrus 3,19).

Sie haben sich überfordert gefühlt
Vergiss nicht: Der große Prophet Moses traute sich nicht zu, selbst mit dem Pharao zu sprechen. Jesaja sah sich in einer Vision vor dem Thron Gottes und erkannte, dass er unfähig und unwürdig ist, ja ein „Mann mit unreinen Lippen“, angesichts des Wortes Gottes (Jesaja 6,5). Timotheus war ein eher zurückhaltender, sensibler Mensch (vgl. z.B. 2Tim 1,6-8). Was haben diese drei gemeinsam? Letztlich ermächtigte Gott selbst sie dazu, das Wort Gottes, sein Wort, weiterzugeben! Moses wurde auf Gottes Geheiß hin zunächst von Aaron unterstützt und letztlich zum größten Propheten Gottes vor Jesus. Jesaja wurde Sündenvergebung von Gott persönlich zugesprochen und er schrieb das eindrucksvollste Prophetenbuch der Bibel – literarisch wird es als unübertroffenes Meisterwerk der Antike eingestuft. Worüber berichtet Jesaja? Wie er trotz seines anfänglichen Zögerns das Wort Gottes weitergab z.B. Jesaja 7 und 8). Und Timotheus? Paulus sagt über ihn, dass er ein völlig einzigartiger Nachfolger Jesu ist, auf den er sich wie niemand sonst verlassen kann – und das trotz seiner geschilderten Herausforderungen und gesundheitlicher Probleme (1.Timotheus 5,23). Wir müssen nicht alleine kämpfen, sondern wir machen es mit Jesus zusammen. So wie er diese drei stärkte und ausrüstete, so tut er es auch bei uns. Wie macht er es konkret?
Die Basis für evangelistische Gespräche auf der Arbeit
Wie immer steht an erster Stelle das Gebet! Wenn du gerne mehr auf andere zugehen würdest, mache es dir doch zum täglichen Gebetsanliegen. Auch sind kleine Schritte empfehlenswert: Bete doch für eine Kollegin oder einen Kollegen, den du besonders häufig auf der Arbeit siehst und mit dem du gerne ins Gespräch kommen möchtest. Unser Gott hört uns und bereitet vermutlich sowohl unser als auch das Herz des Kollegen auf eine entsprechende Begegnung vor. Auch kannst du in der Situation um Mut und die richtigen Worte beten. Bei Heukelbach nennen wir es „den Weg der kleinen Schritte“: Normalerweise passiert nichts im Leben von 0 auf 100. Oft kommt man erstmal kurz über Alltägliches ins Gespräch und nach und nach ergibt sich mehr Gesprächsraum. Mach dir also keinen Druck. Wenn du im Gebet bist und anderen auf dem Herzen hast, ist das schonmal die absolut beste Voraussetzung für evangelistische Begegnungen. Gott hat alles in der Hand und sieht unsere Liebe für unsere Kollegen und kann es so lenken, wie er es möchte.

Du bist nicht allein
Unser Gott hat die Unterschiedlichkeit in uns Menschen offenbar bewusst angelegt. Zwischen sehr introvertiert und sehr extrovertiert gibt es riesige Bandbreite. Wir können alle voneinander lernen und uns ergänzen – gerade wenn wir als Christen zusammenkommen. Viele Geschwister nutzen die Zeit vor dem Gebets- oder Bibelkreis, um sich gemeinsam über aktuelle evangelistische Begegnungen auszutauschen. Warum nicht offen um Ideen fragen, wie du Kollegen, die dir aktuell am Herzen liegen, besser erreichen kannst? Der Austausch und das gemeinsame Gebet fördern bestimmt gute Ansätze zutage! Ca. 30–50% der Menschen schätzen sich als introvertiert ein. 20% sagen von sich, dass sie schüchtern und gehemmt sind. Und natürlich spiegelt sich das sehr wahrscheinlich 1:1 in unseren Gemeinden wieder. Wir sind also alles andere als alleine und können gemeinsam – und vor allem mit unserem Herrn – wie Moses, Jesaja und Timotheus seine gute Botschaft unseren Arbeitskollegen näherbringen.
[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/177243/umfrage/bin-schuechtern-und-gehemmt-selbsteinschaetzung/
Titelbild: © unsplash.com/Getty Images