BETEN: DIE UNGEAHNTE KRAFT

„Not lehrt beten“ sagt man. „Hilft es nicht, so schadet es auf keinen Fall“, denkt sich so mancher. Wenn es Sinn macht, sich in Extremsituationen an einen Größeren zu wenden, dann müsste dieser Kontakt mit Gott doch auch im ganz normalen Alltag eine wichtige Rolle spielen. Oder etwa nicht?
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Beten: Was bringt es?

Geschätzte Lesezeit: 4:45 Minuten

Lisa Jefferson arbeitet in einer Telefonvermittlung. Es ist vormittags um 9.45 Uhr, als sie einen Anruf erhält, den sie nie wieder vergessen wird. Am Apparat ist Todd Beamer, ein junger Familienvater und leitender Angestellter einer Softwarefirma. Er ruft aus einem Flugzeug an. Das Flugzeug ist in den Händen von Entführern. Man schreibt den 11. September 2001.

Vor einer Stunde flog die erste der beiden Maschinen in einen der Zwillingstürme des World Trade Centers in New York. Todd Beamer und die anderen Passagiere wissen bereits davon und können eins und eins zusammenzählen. Er erzählt  Lisa von dem Vorhaben einiger Fluggäste, das gekaperte Cockpit zu stürmen. Heute wissen wir, dass ihnen dies wohl gelungen sein muss. Denn der Flug United Airlines 93 endete nicht, wie von den Terroristen geplant, im amerikanischen Kapitol, sondern auf einem Feld südlich von Pittsburgh.

DAS LETZTE GEBET

In den letzten Minuten seines Lebens bittet Todd Beamer Lisa Jefferson um zwei Dinge: seine Frau und seine Kinder von ihm zu grüßen … und mit ihm das Vaterunser zu beten. Und so sprechen zwei sich unbekannte Menschen diese Worte, die vor 2000 Jahren ein Mann auf einem Hügel am See Genezareth zum ersten Mal formulierte. Und die gleichen Sätze, die sonst millionenfach in halbleeren Kirchen gemurmelt werden, gewinnen plötzlich eine unvorstellbare Kraft:

„Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ (Die Bibel, Matthäus 6, 9-13).

Mit dem Tod vor Augen werden die sonst so leicht daher gebeteten Zeilen auf eine fast unheimliche Weise relevant für das Leben. Und sie drücken in höchster Not die tiefsten Sehnsüchte eines Menschen aus. Das letzte, was Lisa von Todd hört, ist sein Aufruf an eine Gruppe mutiger Männer: „Let‘s roll!“ Also: „Los geht‘s!“ – danach nur noch Geräusche von Kampf und Chaos, bis die Verbindung abreißt.

NUR AM LEBENSENDE RELEVANT?

Todd Beamer und Lisa Jefferson und ihr berühmt gewordenes Telefonat lehren mich  etwas über mein Leben und welche Rolle das Gebet darin spielt. Man sagt, in einem abstürzenden Flugzeug gebe es keine Atheisten. Wenn das Leben endet, wird Beten plötzlich wichtig, ja auf eine seltsame Weise sogar natürlich. Ist es nicht das einzig Logische in diesem Moment? Kontakt mit Gott aufzunehmen?

KRAFT IM ALLTAG

Aber wenn Gebet wichtig ist, ja angesichts des Todes sogar natürlich, dann müsste es doch auch wichtig und natürlich sein angesichts des Lebens. Wenn Gebet die Kraft gibt, dem Tod in die Augen zu schauen, wie viel mehr müsste es dann Kraft geben, das gewöhnliche Leben zu meistern. Wenn es Sinn macht, sich in Extremsituationen an einen Größeren zu wenden, dann müsste dieser Kontakt mit Gott doch auch im ganz normalen Alltag eine wichtige Rolle spielen. Oder etwa nicht?

„Da hilft nur noch beten“, sagen wir. Und mancher denkt leise: „Hilft es nicht, so schadet es auf keinen Fall.“ Und so kann jede Sache zum Gebet gemacht werden. Doch Gott liegt viel mehr an unserer Beziehung zu ihm als nur unsere Wünsche zu erfüllen.

BETEN: MIT GOTT PER DU

Genau darum geht es ja auch in dem Gebet, dass an jenem Tag im Flugzeug und in der Telefonzentrale gebetet wurde. Oder wie sollten wir sonst die ersten Worte verstehen: „Vater unser…?“ „Unser Vater…“ ist doch eine vertraute Anrede, nicht wahr? Vor allem wenn wir bedenken, dass Jesus wohl das vertraute „Abba“ an dieser Stelle gebraucht hat, was unserem deutschen „Papa“ vergleichbar ist. Jesus meint offensichtlich, dass es möglich ist, vertraut mit Gott zu sein, eben per Du zu sein. Das war damals und es ist heute einmalig. Auch im Vergleich zu anderen Religionen. Einzig der Gott, den Jesus kennt, lässt sich so ansprechen. Und das hat seinen Grund. Denn Gott, der Vater von Jesus Christus, ist Liebe und sucht die Nähe seiner Geschöpfe. Er sucht deine Nähe. Unvorstellbar. Auch deshalb unvorstellbar, weil dieser Vater im Himmel ist. Deshalb nennt er seinen Namen mit Ehrfurcht: „Unser Vater im Himmel.“

Wie ist das nun möglich, diese totale Vertrautheit mit Gott und zugleich die große Ehrfurcht vor ihm? Gott selbst gibt die Antwort, wenn er sagt: „Denn so spricht der hohe und erhabene Gott, der ewig lebt und dessen Name ‚der Heilige‘ ist: „Ich wohne in der Höhe, in unnahbarer Heiligkeit, doch bin ich auch den Zerschlagenen nah, deren Geist niedergedrückt ist, und belebe den Geist dieser Gedemütigten neu, richte das Herz der Zerschlagenen auf.“ (Die Bibel, Jesaja 57, 15). Niedergedrückt, gedemütigt und zerschlagen – wer mag das? Was soll das?

GOTT BRINGT RETTUNG

Was soll das nun bedeuten, niedergedrückt, gedemütigt und zerschlagen zu sein? Wir Menschen neigen sehr dazu, selbst alles im Griff zu haben zu wollen. Wir meinen, ohne Gott auskommen zu können. Bis wir an einen Punkt kommen, wo es nicht mehr weitergeht. In einem Flugzeug etwa, das nicht mehr sicher landen wird. Oder auch schon vorher.

Gott ist denen nahe, die für sich erkannt haben, dass sie auf Gott angewiesen sind. Weil sich in ihrem Leben so viel angesammelt hat. Dinge, die sie niederdrücken und demütigen. Die Bibel spricht von Schuld, die Beziehungen belastet und damit immer auch die Beziehung zu Gott belastet.

Doch das muss nicht so bleiben. Gott hat ein vitales Interesse daran, dass sich das ändert. Und damit sind wir wieder beim Gebet. In der Bibel heißt es mehrfach ganz schlicht: „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“ (Die Bibel, Römer 10, 13). So einfach. Wer so mit seiner Hilflosigkeit kommt und Gott den Herrn anruft, wird gerettet. Rufe ihn an, und du wirst gerettet. Das ist es, was am Ende wirklich zählt.

Kommentare

12 Kommentare zu “BETEN: DIE UNGEAHNTE KRAFT

  1. Peter Schulz Gottes Wege sind Unergründlich,doch sie führen immer zum Ziel sagt:

    Habe vor Jahren aufgeben wollen,verstanden,Jesus hat mich getragen von Anfang an.
    Gottes reichen Segen!

  2. Manuela sagt:

    Sehr bewegende Lebensgeschichte. Gott ist gut, ER ist Liebe, ER ist unvoreingenommen und gerecht, ER steht zu seinem WORT und wir dürfen IHN bei seinem WORT nehmen und IHN in der Not anrufen. ER verspricht: rufe mich an in der Not und du wirst errettet werden. Danke für dieses wunderbare Vorrecht:-))

  3. Lengen sagt:

    Das Gebet soll jeden Tag stattfinden ,in guten Zeiten, wie auch in schlechten Zeiten. Jesus stand morgends früh auf um zu beten. Wenn wir zu Jesus beten, an Ihn glauben und Ihn als persönlicher Retter annehmen werden wir gerettet.
    Gottes reichen Segen.🙏

  4. Ilona Rose sagt:

    Dieser Text ist wundervoll und geht richtig unter die Haut. Danke dafür.
    Ich werde ihn jetzt weiterleiten an die, die App nicht heruntergeladen haben.

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