Muttertag für ungewollt Kinderlose ist ein schwerer Tag

Der Leider-nicht-Muttertag

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Ein selbstgebasteltes Herz, ein gepflückter Wiesenblumenstrauß oder das gemeinsame Essen gehen als glückliche Familie – es gibt viele Wege, wie große und kleine Kinder ihrer Mama an Muttertag „Danke“ sagen. Und das ist gut so! Doch für Frauen, die ungewollt kinderlos sind, wirkt dieser Tag wie Salz auf einer offenen Wunde. Er tut weh. Er erinnert sie an ihren größten Wunsch, der einfach nicht in Erfüllung geht. Der Schmerz, die Trauer um etwas, das man nie erleben wird, kehrt an Muttertag mit voller Wucht zurück. Genauso wie die bohrenden Fragen: Warum klappt es bei uns nicht? Wie weit sollen wir gehen, welche technischen Möglichkeiten nutzen? Und wenn Kinder ein Geschenk Gottes sind – warum schenkt er mir dann kein Baby? Wäre ich eine schlechte Mutter? Warum bekommen dagegen Frauen Nachwuchs, die ein Baby nur als Last empfinden?

Jahrtausendalter Schmerz

Schwierige Fragen, Fragen auf die es keine schnellen Antworten gibt. Hanna, eine Frau, die vor etwa 3.000 Jahren lebte, war deshalb verzweifelt. Ihr Mann Elkana liebte sie zwar aus ganzem Herzen, doch ihre Kinderlosigkeit nahm ihr jede Lebensfreude. In einer Kultur, in der Kinder als Zeichen für Gottes Segen galten, wog Hannas Unfruchtbarkeit schwer. Wahrscheinlich war sie es sogar, die ihrem Mann nahe legte, sich eine Zweitfrau zu nehmen, damit die Ehre der Familie keinen Schaden nahm. So vergrößerte sich die Familie Elkanas, denn Pennina schenkte ihm die lang ersehnten Stammhalter. Von nun an war das alljährliche Opferfest in Schilo ein „Leider-nicht-Muttertag“ für Hanna. Während die Kinder spielten und das leckere Fleisch aßen, machte Peninna sich mal wieder über die kinderlose Hanna lustig. Das tat weh. Hanna musste weinen und konnte nichts essen. Einfach nur weg von hier, dachte sie, und flüchtete zum Heiligtum, um Gott zu begegnen.

Die Wurzel der Bitterkeit

„Und sie war in ihrer Seele verbittert, und sie betete zum Herrn und weinte sehr.“ (Die Bibel, 1. Samuel 1,10)

Die jahrelange Schmach, der unerfüllte Wunsch, hatte eine Wurzel der Bitterkeit im Herzen Hannas gesät. Verzweifelt schreit sie zu Gott und macht ihm ein Versprechen: „Wenn du mir einen Sohn schenkst, so will ich ihn dir zurückgeben.“ So lange und intensiv betete sie zu Gott, dem Allmächtigen, dass der Priester, Eli, vermutete, sie sei betrunken. „Denk nicht, dass ich eine schlechte Frau bin!“, antwortete Hanna auf diese Vorwürfe. „Ich habe aus großem Kummer und Leid gebetet.“ „Dann geh in Frieden“, sagte Eli, „der Gott Israels wird dir deine Bitte, die du hast, erfüllen.“ Hanna verabschiedete sich und ging weg. Sie aß wieder und war nicht mehr traurig. (1. Samuel 1,16-18)

Gott tröstet wie eine Mutter

Was war passiert? Hanna war noch nicht schwanger. Sie sah immer noch die Kinder ihrer Nebenbuhlerin und musste sich deren Sticheleien anhören. Doch sie hatte eine Begegnung mit Gott, dem Herrn der Herren, gehabt. Er hatte sie gehört. Dessen war sie sich sicher. Sie hatte erfahren, dass Gott sie getröstet hat, wie nur eine Mutter trösten kann (vgl. Jesaja 66,13). Das machte sie froh. Wenn du unter einem unerfüllten (Kinder-) Wunsch leidest, klage wie Hanna Gott dein Leid. Werfe ihm deinen Schmerz zu Füßen. Gerade an Anlässen wie Muttertag. Lass dich von ihm trösten.

Unverdiente Geschenke

Und sei dir sicher, dass du nicht weniger wert bist, wenn du keine Kinder bekommst. Kein Mensch hat ein Recht auf ein Kind, es ist immer ein unverdientes Geschenk Gottes. Das ist überhaupt eine der Kernbotschaften der Bibel: Wir können uns von Gottes Geschenken keines verdienen. Gott ist ein Gott, der gerne und viel gibt; am deutlichsten zeigt sich das in seinem Sohn Jesus Christus. Und wir dürfen empfangen – völlig unverdient. So wie Hanna, die ein Jahr nach ihrem Gebet in Schilo den kleinen Samuel zur Welt bringt. Ihre Freude bringt sie in einem Lobpreislied zum Ausdruck, das die Größe Gottes besingt:

„Der Herr allein ist heilig; es gibt keinen Gott außer ihm. Auf nichts ist so felsenfest Verlass wie auf ihn, unseren Gott.“ (Die Bibel, 1. Samuel 2,2)

Gott hält dich fest

Diese Wahrheit gilt. Auch wenn Gott deine Geschichte anders schreibt, als die Hannas. Auch wenn Gott dein Gebet scheinbar nicht erhört. Auch wenn alle Umstände dagegen sprechen – halte an Gottes Wort fest und wisse, dass Gott dich festhält. Er kennt deinen Schmerz wie kein anderer:

„Du zählst alle meine Klagen. Sammle alle meine Tränen in einem Gefäß. Du hast doch jede einzelne in deinem Buch festgehalten. An dem Tag, an dem ich dich zu Hilfe rufe, werden meine Feinde sich zurückziehen. Denn eines weiß ich: dass du, Gott, auf meiner Seite stehst. Gott, ich preise dein Wort. Ja, Herr, ich preise dein Wort. Ich vertraue auf Gott, warum sollte ich mich fürchten?“ (Die Bibel, Psalm 56,9-12)

Du kannst dich auf Gottes Zusagen verlassen, auch an Tagen wie Muttertag. Denn wie Dietrich Bonhoeffer gesagt hat: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.“

Wenn du jemanden zum Reden brauchst, melde dich gern bei unserer Seelsorge.

 

Ein Kommentar zu “Der Leider-nicht-Muttertag

  1. Michael sagt:

    Und bedenken Sie: Es gibt auch Väter die es nicht zu einem Kind schaffen also daran mitzuwirken.
    Aber da es ja leider genug, bzw. zu viele leiblichen Eltern gibt, die sich nicht gut um ihre eigenen Kinder kümmern, würde ich kinderlosen Paaren, die das gerne ändern würden aber nicht können, einfach vorschlagen ein oder später mehrere Kinder zu adoptieren. Dann tut man sich und dem Kind etwas gutes. Und nebenbei spart man sich in den meisten Fällen noch die Baby-Arbeit mit Windeln wechseln und keine ruhige Nacht usw.

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