Vergeben und verzeihen

Vergeben kann richtig schwer sein. Doch es ist wichtig - auch für einen selbst. Wie kann man lernen zu verzeihen?
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Vergeben ist für jede Beziehung wichtig

Geschätzte Lesezeit: 3:50 Minuten

Am Anfang war alles ganz einfach: Da finden sich zwei und sie beginnen sich zu mögen. In ihrer Beziehung ist es so, als ob sie ein Konto eröffneten. Beide zahlen sie auf dieses Konto ein: da einen Blumenstrauß, hier eine Postkarte, da beim Umzug mitangepackt. Das Konto ist bald gefüllt. Kleinere Abhebungen, wie gelegentlicher Streit, stören nicht sonderlich. Aber mit der Zeit wird das anders. Hier ein verletzendes Wort, dort mangelnde Aufmerksamkeit. Man gewöhnt sich aneinander. Nun zahlen die beiden nicht mehr so viel ein, aber sie heben munter vom Konto ab. Das Vertrauens-Konto gerät tief in die roten Zahlen.

Wie sieht es mit deinem Vertrauenskonto aus? Könnte nicht manches auch dadurch wieder eingezahlt werden, wenn du einem Menschen verzeihen und vergeben könntest? Jemand, der nicht nur von Vergebung geredet, sondern auch gelebt hat, ist Jesus Christus. Er macht Mut, das Verzeihen zu riskieren. Dazu erzählte er eine Geschichte, die sich für unsere Zeit etwa so anhören könnte:

Bitte um Gnade

In der Firma ist Kassensturz angesagt. Die Spitzenmanager stehen mit flauem Gefühl im Magen auf, die Sekretärinnen tragen hektisch Ordner hin- und her. Heute kommt der Chef persönlich und sieht die Bücher durch. Die Abteilungsleiter müssen Rechenschaft ablegen und ihre Bilanzen aufdecken. Einer drückt sich, so lange er kann, aber auch er kommt an die Reihe, und es wird klar: Er hat Gelder veruntreut, nicht ein paar Euros, nein, ein Vermögen in Millionenhöhe. Und er weiß, was ihm blüht: Er wird in den Knast wandern. Er wird alles verlieren und bis ans Ende seines Lebens zahlen. Da tut er das Undenkbare. Er wirft sich vor dem Chef auf die Knie. Ein Raunen geht durch den Saal. Er bittet um Gnade. Der Chef, eben noch bereit, kurzen Prozess zu machen, stutzt. Es bewegt sich etwas in seinem Herzen. Er hilft dem Mann auf und teilt ihm mit: „Ich lasse dir deine Freiheit und erlasse dir deine Schulden. Ich verzichte auf meine Forderung! Fang noch einmal von vorne an.“

Gott schenkt einen Neuanfang

Eine bewegende Geschichte (das Original kannst du im Matthäus 18,23-35 nachlesen). Vor allem deshalb, weil Jesus sie erzählt und damit von Gott, seinem Vater, spricht. Der gnädige Chef ist ein Bild für Gott. Wenn du vor Gott mit deinen roten Zahlen erscheinst, mit deinen Betrügereien und deinem Ungehorsam ihm gegenüber, so vergibt er dir gern. Möglich ist das, wie Jesus sich wegen unserer Schuld ans Kreuz hat schlagen lassen. Die Bibel versichert uns im Blick auf ihn: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.“ (Die Bibel: Jesaja 53,5)

Vergebung muss Auswirkungen haben

Doch die Geschichte, die Jesus erzählt, geht weiter: Kaum ist der Begnadigte draußen, da begegnet er einem Kollegen. Dem hatte er doch 1000 Euro geliehen! Zurückgezahlt hatte er die nie – obwohl er es versprochen hatte! Da packt er den Kollegen: „Her mit meinem Geld!“ Aber der andere kann es nicht zahlen. „Dann lasse ich. dich in Schuldhaft nehmen, bis du auf den letzten Cent alles bezahlt hast.“ „Aber hab doch Mitleid“, bettelt der Kollege, „ich will ja alles zahlen. Ich brauche nur noch ein bisschen Zeit.“ „Zeit hast du genug gehabt. Jetzt musst du büßen!“ Der Unternehmer hört von dem Vorfall. Er wird tief traurig und tut dann, was er tun muss: Er revidiert sein Urteil. „Ich habe dir alles erlassen“, sagt er, „und du konntest nicht ein einziges Mal Mitgefühl haben. Und das bei solchen Peanuts? So kleinlich bist du? Du hast alles verspielt.“ Und so landet der Abteilungsleiter am Ende doch noch im Gefängnis.

Wie Gott mir, so ich dir

Gott, der so gerne vergibt, erwartet, dass auch wir dem anderen eine neue Chance geben. Er möchte, dass sein Mitgefühl und seine Großzügigkeit ansteckende Wirkung haben. Wir müssen uns klar machen, wie groß unsere Schuld war, die Gott vergeben hat. Im Gegensatz dazu ist alles, was wir zwischenmenschlich vergeben müssen, klein. Du kennst das Sprichwort „Wie du mir, so ich dir.“ Doch diese Geschichte will uns zeigen: „Wie Gott mir, so ich dir.“ Ja, da beginnt alles Vergeben – mit dem Vergeben Gottes. Beziehungen können nur dann wieder in Ordnung kommen, wenn einer der beiden etwas riskiert. Wenn er sagt: „Ich fange an. Ich gehe wieder auf den anderen zu. Ich tue ihm wieder Gutes. Ich zahle wieder ein auf dieses Vertrauenskonto. Was ich mir wünsche, tue ich zuerst, ohne Vorleistung. Ich wage es, weil Gott mir auch verziehen hat. Ich will verzeihen, was der andere mir angetan hat.“ Und nebenbei: Wer vergibt, tut auch sich selbst etwas Gutes. Denn wenn wir jemandem etwas nachtragen, wer trägt dann? Nicht der andere, sondern ich. Vergeben entlastet wirklich. Auch mich. Gott um Vergebung zu bitten und einander zu vergeben, ist erst der Anfang. Aber der entscheidende Anfang.

Kommentare

2 Kommentare zu “Vergeben und verzeihen

  1. Sila sagt:

    Wenn jemand im Kindesalter missbraucht worden ist, in der Ehe Gewalt erlebt hat, starke Bitterkeit hat, traumatische Erlebnisse, dann ist es sehr schwer. Das soll mir einer einmal vormachen. Das geht nicht von heute auf morgen. Es braucht seine Zeit. Es gibt so viele Menschen, die so etwas erlebt haben und erleben.
    Gott möge jedem helfen, der in so etwas steckt.

  2. Claus F. Dieterle sagt:

    Vergebung wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Im Internet gibt es gute Artikel zu dem Thema „Vergebung und Gesundheit“.

    Hier noch zwei Zitate:

    Denk an die Vergangenheit nur dann, wenn die Erinnerung daran Vergnügen bereitet.
    Jane Austen

    Auf Dinge, die nicht zu ändern sind, muss auch kein Blick mehr zurück geworfen werden.
    William Shakespeare

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