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Gesetzlichkeit vs. Freiheit in Christus – Wie lebe ich als Christ in der Freiheit des Evangeliums?
„So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat …“, lesen wir in Galater 5,1. Aber was bedeutet diese Freiheit eigentlich konkret und wie können wir sie vollständig ausleben? Und welche Konsequenzen hat diese Freiheit für unseren persönlichen Evangelisationsauftrag als Christen?
Wir Christen leben in einem Spannungsfeld. Wir haben von Jesus eine Freiheit geschenkt bekommen, die wir entweder missbrauchen (vgl. Galater 5,1) oder nicht gebrauchen können (vgl. Galater 5,13). In beiden Fällen wird aus der Freiheit in Christus in der Lebenspraxis wieder eine Unfreiheit. Wir können sozusagen „von zwei Seiten vom Pferd fallen“ und damit in beiden Fällen „auf dem Holzweg sein“, um im Bilde zu sprechen.
Unmoral – Missbrauch der Freiheit
Im ersten Fall verhalten wir uns unmoralisch und gebrauchen unsere Freiheit dafür, zu tun und zu lassen, was wir wollen. Statt zu evangelisieren, verbringen wir unsere Zeit lieber mit Dingen, die uns angenehmer erscheinen: Natürlich ist es nicht verboten, mit Freunden ins Kino zu gehen oder Zeit auf Youtube zu verbringen – aber die Priorisierung ist entscheidend. Das Wort Gottes sagt uns, dass uns zwar alles erlaubt, aber nicht alles nützlich ist (vgl. 1. Korinther 6,12).
Schlimmstenfalls unterscheiden wir uns nicht sonderlich von der Welt, sondern gebrauchen unsere Freiheit, um zu sündigen. Vielleicht gibt es auch in deinem Leben Dinge, die nicht in Ordnung sind. Vielleicht denkst du, Gott wird schon „fünf gerade sein lassen“ oder „ein Auge zudrücken“. In Galater 6,7 lesen wir aber, dass Gott sich nicht spotten lässt. Der Mensch erntet, was er sät!
Galater 5,13 sagt uns: „ Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder; nur macht die Freiheit nicht zu einem Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe.“ Wir sollen unsere Freiheit also dazu nutzen, anderen zu dienen.
Gesetzlichkeit statt Freiheit
Die zweite Haltung, die unser Verhalten beeinflusst und uns ebenfalls „auf den Holzweg führt“, ist die Gesetzlichkeit. Das bedeutet, dass wir die Freiheit, zu der Christus uns befreit hat, gar nicht begreifen oder wieder vergessen. Vielleicht bist du selbst zu gesetzlich und evangelisierst unter einem gewissen Zwang, weil du vor Glaubensgeschwistern etwas gelten willst. Vielleicht möchtest du sogar Gott selbst beeindrucken oder gnädig stimmen. Vielleicht denkst du, dass deine Gemeinde von dir erwartet, dass du Traktate verteilst oder evangelistische Gespräche führst. Du tust diese Dinge, bist aber mit dem Herzen oft gar nicht dabei. Manche Christen neigen wohl eher zu Gesetzlichkeit als zu Unmoral. Gesetzlichkeit ist allerdings nicht nur Privatsache, denn sie hat Auswirkungen. Unsere gesetzliche Haltung erschwert es anderen, das Evangelium anzunehmen. Wir wirken eng und unfrei. Durch diese ungünstige Ausstrahlung lassen wir das Evangelium nicht mehr einladend wirken.
Das Beispiel der Galater

Die Galater zum Beispiel standen in der Gefahr, ins Judentum zurückzufallen und sich auf das Gesetz zu verlassen. Paulus legt ihnen dar, warum ihnen die Beschneidung, die ja ein rein äußerliches Zeichen ist, nichts nützen wird. Er ermahnt sie eindringlich, bei dem zu bleiben, was sie von Anfang an von Christus gehört haben. Paulus fordert die Galater dazu auf, fest zu stehen und sich nicht von Neuem das Joch der Knechtschaft auferlegen zu lassen. In Galater 1,6–7 sagt er: „Mich wundert, dass ihr euch so schnell abwenden lasst von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem andern Evangelium, während es doch kein anderes gibt …“ Sie hatten also richtig angefangen. Paulus bestätigt ihnen: „Ihr lieft gut …“ (Galater 5.7). Durch Irrlehre haben sie sich aber vom richtigen Weg abbringen lassen.
Unmoral oder Gesetzlichkeit – beide Wege weichen von der Freiheit ab, die Gott uns in seiner großen Liebe schenken möchte.
Die wahre Freiheit
Die wahre Freiheit des Evangeliums bedeutet, dass wir aus einer innigen Beziehung zu Jesus Christus heraus die gute Botschaft begeistert und voller Freude weitergeben möchten – die Liebe Christi drängt uns, wie wir in 2. Korinther 5,14 lesen. Jesus wünscht sich, dass wir aus Liebe und nicht unter Druck und Zwang evangelisieren. Der Schlüssel zur Freiheit steht in Galater 5,14: „ Denn das ganze Gesetz wird in einem Wort erfüllt, in dem: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘.“ Liebe ist der Antrieb – nicht Selbstliebe oder Gesetzesliebe, sondern die Liebe zu Gott und zu meinem Nächsten.
Der uncharmante Ehemann

Stell dir vor: Jemand hat geheiratet und soll seinem Freund erklären, was das eigentlich bedeutet. Er erzählt davon, dass er seiner Frau Blumen kaufen und sie ins Restaurant einladen musste. Er fühlt sich dazu genötigt, ihr nette Dinge zu sagen und Geschenke zu machen. Wenn er die Dinge, die eine Ehe betreffen, als Zwang versteht, dann hat er das Wesen der Ehe nicht verstanden. Er tut vielleicht sogar, was richtig und gut ist – aber aus der falschen Herzenshaltung heraus. Genauso ist es mit unserer Beziehung zu Jesus. Sie soll eine Liebesbeziehung sein, die auf Freiwilligkeit basiert. Wir können uns die Gunst Gottes nicht durch gute Werke „erkaufen“, sondern dürfen sein Wohlwollen uneingeschränkt schon jetzt genießen.
Die Früchte des Geistes
Ich bin zu der Freiheit berufen, alles aus Liebe zu Jesus tun zu dürfen. Das wird Früchte bringen. In Galater 5,22–23 lesen wir von der Frucht des Geistes. Da entstehen „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung“. An diesen Früchten erkennen wir, dass wir die richtige Gesinnung haben. Die Früchte des Fleisches dagegen sind schlecht (vgl. Galater 5,19–20): „Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen“. Wenn wir diese „faulen Früchte“ erkennen, müssen wir Buße tun und uns von Gottes Geist erneuern lassen.
Wünschst du dir auch, in einer wahren Freiheit zu leben und aus dieser Freiheit heraus voller Freude evangelisieren zu können? Lies viel in Gottes Wort und forsche nach dieser Freiheit, zum Beispiel im Römerbrief in den Kapiteln 6 bis 8. Lies dazu auch unseren Blogbeitrag Wie frei bin ich wirklich? Du findest ihn unter diesem Link: https://heukelbach.org/wie-frei-bin-ich-wirklich/b Überprüfe dich regelmäßig selbst und hinterfrage deine Motive. In 2. Korinther 3,18 lesen wir: „ Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn.“
Die Challenge – stell dir vor
Lass dich von uns herausfordern, um deine Freiheit in Christus zu „trainieren“. Dazu ist ein wenig Vorstellungsvermögen gefragt. Stell dir folgende Situation vor: Du fliegst in deinem anstehenden Urlaub zu einem Missionseinsatz nach Südamerika. Dein Arbeitskollege hält dich für verrückt, weil du deinen Urlaub so verbringen willst. Wie würdest du ihm deine Motivation aus Sicht der Freiheit des Evangeliums erklären? Wie viel hat dein Vorhaben mit der Freiheit, die du als Christ hast, zu tun?
Selbst-Check
Wir haben gesehen, dass es Sinn macht, sich selbst immer wieder kritisch zu hinterfragen. Was sind die Motive, aus denen heraus wir anderen das Evangelium sagen? Stehst du in der Freiheit des Evangeliums? Überprüfe dich selbst und reflektiere dazu folgende Fragen:
- Evangelisierst du gern oder fühlst du dich unter Druck?
- Liebst du deinen Nächsten wie dich selbst? Oder ist da noch Luft nach oben?
- Bist du begeistert vom Evangelium?
- Nutzt du deine Freiheit für dein eigenes Vergnügen?
Gib uns dein Feedback!
Hast du die Freiheit in Christus schon voll ergriffen oder merkst du, dass dir da noch etwas fehlt? Tendierst du eher dazu, deine Freiheit in Christus nicht wirklich zu gebrauchen oder sogar zu missbrauchen?
Wir freuen uns, wenn du uns deine Gedanken mitteilst.
Titelbild: © unsplash.com/Holly Mandarich